Dienstag, 27. September 2011

Ein entspannter Nachmittag am Strand

Da der Tag heute sehr anstrengend war und es zur Abwechslung mal nicht geregnet hat, sondern strahlend blauer Himmel herrschte, haben Larissa und ich den Plan gefasst, den Nachmittag ganz entspannt am Strand zu verbringen.
Unser simpler Plan wurde jedoch schon gleich von der Türe des Colegios ein wenig durchkreuzt. Die ersten zwei Taxis wollten uns nicht zum Strand mitnehmen, weil es den verbilligten taxi-colectivo-Tarif anscheinend nur zum Zentrum gibt. Gerade als wir dann dabei waren, zwei motos herbeizurufen, haben zwei Schülerinnen, die in der Nähe wohnen, uns entdeckt und wollten sofort mit an den Strand. Nach einigem Hin und Her hab ich dann entschieden, dass wir sie ein anderes Mal mitnehmen, weil ich ja zum Entspannen an den Strand wollte und nicht zum Babysitten. In der Zwischenzeit hatte sich jetzt schon ein älterer Herr zu uns gesellt, der sich anscheinend ein Taxi mit uns teilen wollte. Leider hab ich ihn nicht verstanden, weil er fast keine Zähne mehr hatte.
Nun standen wir schon zu fünft gegenüber vom colegio auf dem Gehweg und haben nach Taxis und Motos gewunken. Von hinten kam jetzt auch noch die Mutter der zwei Mädchen mit der jüngeren Schwester und ließ sich die Lage erstmal erklären, bevor sie sich auch auf die Suche nach einem Taxi für uns machte. Immer mehr Leute versammelten sich um uns und redeten durcheinander, dabei wollten wir nicht mehr als ein Taxi zum Strand. Zu allem Überfluss kamen auch noch vier Polizisten auf ihrem Moped angefahren und wollten uns aus der Situation retten. Sie waren entsetzt, was wir da auf der Straße machen. Hier wäre es viel zu gefährlich und sie würden uns jetzt schnellstens nach Hause bringen. Das unser „Zuhause“ das Colegio hier mitten im Barrio San Francisco haben sie keinem von uns wirklich abgenommen, weshalb sie sich dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite postierten.
Der nächste Taxifahrer war dank des Verhandlungsgeschicks der Mutter der Schülerinnen bereit, uns für einen sehr guten Preis nach Crespo zum Strand zu fahren. Ich hatte mich schon gefreut, dass es endlich losgehen kann (mittlerweile war schon beinahe eine halbe Stunde vergangen), als die Autotür nochmal aufging und die zwei Mädels spontan mit ins Taxi einstiegen.
Wir haben ihnen dann während der Fahrt mitgeteilt, dass sie uns gehorchen müssen und nicht wegrennen dürfen, was sie natürlich wie immer bereitweillig versprachen. Nebenbei fanden wir allerdings auch heraus, dass beide nicht schwimmen können. (Sehr toll, wenn man ans Meer geht, um schwimmen zu gehen.) Meine Vorfreude aufs Meer war mittlerweile schon ein klein wenig gedämpft worden.
Am Strand war es dann aber doch gar nicht so schlimm. Das Wasser war schön warm und es ging ziemlich flach rein, sodass die Mädels auch ein wenig baden konnten. Sie hatten allerdings weder Badekleidung noch Handtuch mitgenommen und sind deswegen mit voller Montur ins Wasser. Aber war ja nicht mein Problem (dachte ich zumindest). Larissa und ich haben uns im Wasser treiben lassen und von dort aus ein Auge auf die zwei werfen können.
Als es langsam Zeit war, den Rückweg anzutreten, und wir uns zum Trocknen noch ein wenig aufs Handtuch legen wollten, lag plötzlich ein anschaulicher Haufen toter Fische neben unseren Sachen. Wie sich herausstellte gehörten die stinkenden, toten Fische unseren Mädels, die sie unbedingt ihrer Mama fürs Abendessen mitbringen wollten. Blöderweise hatte keine von ihnen eine Tüte mitgebracht und von ihrem Vorschlag, die Fische in unsere Taschen zu tun, waren wir keineswegs begeistert. Die zwei lösten das Problem, indem die eine kurzerhand ihr nasses T-Shirt auszog und die Fische darin einwickelte.
Auf unsre Frage, wie wir die zwei klatschnassen, triefenden Mädels in ein Taxi bekommen sollten, bekamen wir nur ein Schulterzucken und einen entschuldigenden Blick zugeworfen.
Da uns nichts anderen übrig blieb, machten wir uns also auf die Suche, wobei schon die ersten zwei Taxis, als sie die Mädels erspähten, mit der Aussagen „mojado“ (nass) wieder abdrehten.
Der dritte Taxifahrer jedoch hatte Erbarmen mit uns verzweifelten Deutschen und packte eine große orangene Plane aus, um seinen Rücksitz zu schützen. Für beinahe den doppelten Preis wie bei der Hinfahrt war er bereit uns mitzunehmen. Allerdings hielt er nach 100m wieder an, da der Fischgeruch im Auto unerträglich war (T-Shirts sind bekanntlich nicht sehr luftdicht). Yuremis (eine der Schwestern) sollte also die Fische aus dem Fahrzeug schaffen oder wir müssten alle aussteigen. Diese weigerte sich jedoch und klammerte sich an ihr nasses Fischpaket. Ich hatte mittlerweile die Nase gestrichen voll von dem Theater und tat so, als würde ich kein Spanisch verstehen. Kurze Zeit herrschte absolute Stille im Auto, doch plötzlich ging die Fahrt unvermittelt weiter. Allerdings mit offenen Fenstern, da der Taxifahrer Angst um seine nächsten Gäste hatte.
Ich war wirklich heilfroh, als ich aus dem stinkenden Taxi wieder aussteigen und der peinlichen Situation entkommen konnte. Der Taxifahrer bat uns dann noch um Wasser und einen Lappen, um sein Taxi wieder zu putzen :P Ohhh mannn!
Ich glaube nicht, dass so schnell wieder irgendwelche Schüler in meiner Freizeit irgendwohin mitnehme. Hoffentlich waren die blöden Fische dieses Theater wert!

Montag, 26. September 2011

"amor y amistad" ohne Ende


Soo langsam geht mir die „amor y amistad“-Geschichte hier bisschen auf die Nerven, aber der Monat ist ja zum Glück bald zu Ende. Am Freitag während dem Kindergottesdienst mit dem Thema „amor y amistad“ (welch Wunder :P) haben Pery und Aura bekannt gegeben, dass Aura im zweiten Monat schwanger ist. :D Die beiden sind sehr glücklich und das sieht man ihnen auch an :) Leider werden sie am 26. November für einige Jahre nach Peru gehen und das Baby wird nicht hier zur Welt kommen. Schaaade :)
Am Freitagabend wurde dann zu Ehren von amor y amistad und zu Ehren Auras Schwangerschaft ein kleines Grillfest mit ein paar Lehrern gefeiert. Unsre Mathematiklehrerin Katherine war für das Essen zuständig und es war wirklich super lecker. Es gab Salat, Fleisch, Chorizo (eine besondere Wurst), Hähnchenschlegel, Kartoffeln, Yuca und einen Maiskolben für jeden. Uuuuund sogar eine Flasche Coca-Cola :D Eine richtig luxuriöse Mahlzeit!
Das einzige, was ich etwas absonderlich fand, war, dass ich beim Salatwaschen Chlorbleichmittel (nehmen wir hier zum Bodenwischen) ins Wasser geben sollte. Hier gibt es anscheinend gefährliche Bakterien oder sowas auf dem Salat, weswegen man den Salat mit Zitrone waschen muss. Leider hatten wir keine Zitronen mehr, aber Chlorbleichmittel würde es auch tun, hieß es. Bin mir nicht so sicher, ob das Chlorbleichmittel nicht eher ungesünder ist als die Bakterien… Aber naja, Kolumbien halt :D
Am Samstagvormittag wurde hier im Colegio ein … große Überraschung … amor y amistad –Konzert für die Kinder veranstaltet. Omar, ein Freund des Colegios, wird bald in Argentinien eine fünfmonatige Missionsschule besuchen und mit dem Erlös vom Konzert haben wir ihn ein wenig unterstützen können. Ich schätze mal, dass etwa 30 Kinder da waren und mitgetanzt und gesungen haben. Omar musste jedoch auch feststellen, dass es nicht unbedingt einfach ist, die Kinder unter Kontrolle zu haben und kam ab und zu ganz schön ins Schwitzen.
(Tat mir aber auch sehr gut zu sehen, dass es nicht nur uns Frauen so geht, sondern dass die Kinder auch bei Männern nicht unbedingt besser gehorchen :P)
Irgendjemand kam jedoch auf die glorreiche Idee, Konfetti während dem Konzert zu verteilen und dann war für eine Weile jegliche Aufmerksamkeit verschwunden. (Die Aufmerksamkeit konnte bis zum Ende auch nicht wieder ganz hergestellt werden :P) Aber war ja nicht meine Verantwortung… nur leider mussten Larissa und ich das Konfetti danach wieder aufputzen^^

Samstag, 24. September 2011

Die erste offizielle Arbeitswoche


Letzten Sonntagabend habe ich um 22 Uhr erfahren, dass meine Leiter Hugo & Lourdes am nächsten Morgen nach Texas fliegen und drei Wochen nicht hier im Colegio sein werden. Überraschende und sehr kurzfristige Neuigkeiten :P Wenigstens mir wurde während dem Gespräch auch endlich mitgeteilt, wo ich in diesem Jahr eingesetzt werde: nämlich in der transición ( Vorschule). Dort werde ich der Señora Margarita mit den 13 Kindern helfen. Die Margarita ist wirklich sehr nett, hat viel Geduld mit mir und den Kindern und ist nur ein bisschen sehr unorganisiert wie jeder hier in Kolumbien :D

Zusätzlich zum Unterricht müssen Larissa und ich verschiedene hauswirtschaftliche Aufgaben im Colegio erledigen für die es einen Wochenplan gibt, der immer durchgewechselt wird. In der ersten Woche hatten wir die ehrenvolle Aufgaben morgens um 5 Uhr die Büros zu putzen und abends nach dem Abendessen abzuspülen, die Küche zu putzen und den Müll zu entsorgen. Aber zu zweit geht alles einfacher als allein und komischerweise macht mir hier das frühe Aufstehen nicht so viel wie in Deutschland, da wir uns von Anfang an an den Tagesrhythmus hier angepasst hatten.

Wenn ich an die letzte Woche zurückdenke, fallen mir zu meiner Arbeit in der Vorschule vor allem die Worte ein: anstrengend, laut, viel Körperkontakt mit den Kindern, herausfordernd aber trotzdem auch viel Spaß gehabt :)
Jeden Morgen beginnt der Tag für die Vorschulkinder um 7.45 Uhr mehr oder weniger pünktlich mit einem „devocional“, einer kleinen Andacht für die Kinder und danach geht’s los mit Unterrichten.
Gleich am Montag hab ich fünf Minuten vor 10 Uhr erfahren, dass ich um 10 Uhr meine erste Englischstunde halten soll. Recht knappe Vorbereitungszeit  :P Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Eigentlich sollte ich bis Dezember noch gar nicht selber unterrichten, aber Margarita spricht kein Englisch, deswegen muss ich die 2 Stunden Englisch pro Woche übernehmen und zusätzlich auch noch den Kunstunterricht.
Die Schule hier ist leider so arm, dass wir kein Unterrichtsmaterial haben und auch keinen Lehrplan oder irgendwelche Vorgaben, was wir unterrichten sollen. Ich muss jetzt in den nächsten Wochen erst einmal herausfinden, was die Kinder schon können und was ich noch unterrichten könnte.
Sind schon sehr andere Verhältnisse an der Schule hier als in Deutschland und das fällt mir schon manchmal sehr schwer.
Jeden Mittag um 12:30 Uhr nach der Schule bin mit meiner Kraft ziemlich am Ende. Die Kinder hier aus dem Viertel haben keinerlei Disziplin und können weder stillsitzen noch zuhören. Die Lautstärke während dem Unterricht ist unglaublich und erst wenn man eine Aufforderung zum fünften Mal sagt bzw. schreit, fangen, wenn man Glück hat, ein paar an diese auch umzusetzen. Aufgrund dieser Umstände lernen die Kinder meiner Meinung nach auch fast nichts. Es geht aber wirklich in allen Klassen hier so zu. In dieser Hinsicht sind die Kinder hier wirklich, wirklich schlimm und ich bin jeden Morgen immer wieder auf’s Neue entsetzt.
Aaaaber auf der anderen Seite sind die Kinder auch unglaublich liebenswert. Schon von weitem rufen sie meinen Namen, wenn sie mich sehen und ich bekomme eine Umarmung zur Begrüßung. Während dem Stuhlkreis sitzen sie mir auf dem Schoß oder streicheln meinen Kopf und meine Haare. Selbst die Jungs hier suchen immer Körperkontakt und nehmen mich an der Hand oder flechten sogar meine Haare :) Echt voll süß! Da kann man gar nicht lange böse sein.
Trotzdem war ich froh, dass ich am Donnerstag nur bis um 9 Uhr arbeiten musste, weil wir danach zum Spanischkurs gefahren sind. Als wir dann um 15:30 Uhr mit dem Taxi wieder zurück zum Colegio fahren wollten, hat es wieder mal so stark geregnet, dass wir noch 1,5 Stunden in einem nahen Einkaufszentrum warten mussten. Die Straßen waren komplett überflutet und verwandelten sich in Flüsse, auf denen die Autos mehr vorbeigeschwommen sind als gefahren. Wirklich unvorstellbar! Leider hatte ich keinen Foto dabei. :(

Am Freitag haben Larissa und ich den süßen Kindergartenkindern einen Besuch abgestattet, da unsre beiden Erzieherinnen einen Termin hatten. Die Zeit war aber eine ziemliche Herausforderung, weil es etwa 20 Kinder waren und die alle ziemlich nuscheln :P Ich hab am Anfang nicht mal verstanden, wenn sie gefragt haben, ob sie auf die Toilette gehen dürfen. Aber wir haben dann mit angemalten Eisstielen zählen geübt und dann damit Häuser, Sonnen, Sterne und Kirchen gebaut. So ging die Zeit auch relativ schnell um.
Es ist aber wirklich unglaublich, wie fertig ich nach den 5 Stunden Unterricht bin. Danach bin ich erst mal zu nichts mehr fähig und muss mich hinlegen und am besten mit Ohropax versuchen, alle Geräusche (v.a. die Musik!!) auszublenden. Larissa und ich sind auch abends meistens so fertig, dass wir zwischen halb 9 und 9 einschlafen :D  (Aber wir stehen ja um 5 Uhr auch schon wieder auf!)

Montag, 19. September 2011

Bocachica und Reggae tanzen


Am Freitag hatten wir unser erstes Mentorentreffen mit Marianella auf der Insel Tierra Bomba, das gleichzeitig die Verabschiedung der „alten“ Freiwilligen war. Mit dem Moto-Taxi ging es morgens um 8 Uhr los zum Hafen von Cartagena (Moto-Taxi fahren ist noch viel schlimmer als Taxi fahren und ich bin jedes Mal wirklich unendlich froh, wenn ich heile und an der richtigen Adresse abgeladen werde). Von Cartagena braucht man mit dem Schnellboot etwa eine halbe Stunde um zum Dorf Bocachica auf der Insel Tierra Bomba zu gelangen. Es gibt jedoch keine Fahrpläne für die Boote oder besser gesagt gibt es hier für nichts Fahrpläne (wenn man Bus fahren will, stellt man sich einfach an die Straße und winkt so lange bis einer anhält). Man wartet so lange bis das Boot (wird hier „lancha“ genannt) gerammelt voll ist und dann erst kann die Fahrt losgehen. Fühlt sich ein bisschen so an wie auf einem überfüllten Flüchtlingsboot und ich hatte auch ein mulmiges Gefühl, da konnten die stinkenden, alten Schwimmwesten auch nicht helfen. Nachdem wir den Hafen verlassen hatten, nahmen wir so richtig Geschwindigkeit auf. Wir sind richtig über das Wasser geflogen und nach einer Weile konnte ich die Fahrt sogar einfach nur genießen. Auf Bocachica haben wir die Station besucht, wo drei „Mitfreiwillige“ von mir wohnen und arbeiten und sind von dort etwa 20 Minuten an einen wunderschönen Karibikstrand gelaufen, wo ich zum ersten Mal in der schön blauen und warmen Karibik baden konnte :D War wie Urlaub! Da könnt ihr ruhig neidisch sein :D
Die Nacht haben Julia, Larissa und ich auf der Station verbracht und ich hab zum ersten Mal ohne fließend Wasser geduscht, da es auf der Insel kein fließendes Wasser gibt. (Bei uns im Colegio passiert das zum Glück nicht so oft, dass es gar kein Wasser mehr gibt und mich hat es glücklicherweise noch nicht getroffen :D) Am nächsten Morgen haben die „alten“ Freiwilligen auf Bocachica angefangen, ihre Koffer zu packen. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Gerade kann man sich noch nicht vorstellen, dass einem der Abschied in einem Jahr genauso schwer fallen wird.
Anne und Maria (zwei der Freiwilligen auf Bocachica) hatten sich leider einen Infekt eingefangen und konnten nicht einmal mehr aufstehen an diesem Tag. Deshalb sind Julia, Larissa und ich schon gegen Mittag zurück nach Cartagena gefahren und ich hab mich mal wieder ans Wäsche waschen gemacht :P Jiippiieh! Deutschland ist im Vergleich zu hier wirklich purer Luxus.
Da der Samstag (17.Sept) in Kolumbien „el día de amor y amistad“ (Valentinstag, aber auch für normale Freunde) ist, ging es um 17 Uhr zu einem besonderen JuCUM-Treffen in das Stadion einer größeren Schule. Jedes Ministerium musste während der Feier eine besondere Region von Kolumbien repräsentieren und darstellen. Zusätzlich gab es verschiedene kolumbianische Spezialitäten zu essen. Seeeeehr lecker!!!
Unser Colegio war für die Karibikinseln San Andrés und Providencia verantwortlich. Henry, ein Lehrer hier an der Schule, hat extra dafür eine Reggae-Choreografie mit uns eingeübt, die wir genau einmal gezeigt bekommen haben und dann typisch kolumbianisch nicht mehr geprobt, sondern spontan an dem Abend vorgetanzt haben. Eeeigentlich steh ich ja wirklich nicht gerne auf der Bühne vor so vielen Leuten, aber hier in Kolumbien ist das irgendwie alles sehr viel lockerer. Fünf Minuten vor unserem Auftritt haben wir noch spontan beschlossen, den Tanz in ein Theaterstück miteinzubinden und schon gings loooos :D Es hat mega viel Spaß gemacht und die ganze Tribüne hat mitgetanzt und es war nicht im geringsten peinlich, auch wenn unser Reggae-Lehrer während der Vorführung die Choreografie wieder abgeändert hat :D  Manchmal fehlt mir die deutsche Zuverlässigkeit wirklich! Die Kolumbianer leben einfach immer in den Tag hinein, Entscheidungen werden spontan getroffen und langfristige Pläne gibt es so gut wie gar nicht und wenn doch, dann werden sie wahrscheinlich kurzfristig wieder über den Haufen geworfen :P Mittlerweile kann ich darüber schon lachen und versuche mich nicht, auf meine geschmiedeten Pläne zu versteifen, um darausfolgende Enttäuschungen zu vermeiden. Denn wie wir schon im Vorbereitungsseminar gelernt haben: „Nicht gut, nicht schlecht, sondern einfach ANDERS!“ :D

Sonntag, 18. September 2011

Salsa de tomate


Die ersten vier Wochen haben wir Freiwillige aus Cartagena und Bocachica (insgesamt 6 Mädels) jeden Donnerstag von 10 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags Spanischunterricht bei unserer Mentorin Marianella, die extra eine zweistündige Busfahrt dafür auf sich nimmt. Wir treffen uns dann immer im Haus einer befreundeten Familie und sollten eigentlich die spanische Grammatik pauken :P Wenn sich jedoch sieben Frauen nur einmal pro Woche sehen, dann werden aus den 5 Stunden Unterricht ganz schnell 2,5 Stunden, da es soooo viel zu erzählen gibt und kaum Zeit fürs Lernen übrig bleibt. :D
Letztes Mal blieben sogar nur noch 2 Stunden Zeit für die spanische Grammatik, da wir beschlossen hatten in der Mittagspause einmal leckeres deutsches Essen zusammen zu kochen: Spaghetti mit Tomatensoße (naja, eigentlich eher italienisch :P) Larissa und ich waren für den Einkauf der nötigen Zutaten verantwortlich und für 41.000 Pesos (ca. 16€) sogar alles im Supermarkt bekommen.
Um 12 Uhr mittags wollten wir dann mit kochen anfangen, doch eine kolumbianische Küche ist ziemlich anders ausgestattet als eine deutsche. Nach einigem Suchen haben wir dann endlich die nötigen Töpfe zusammengesucht bekommen und konnten das Wasser für die 2kg Spaghetti aufsetzen. Bei unsrer Zeiteinteilung hatten wir jedoch nicht miteinkalkuliert, dass das Wasser in Kolumbien 10 Mal länger braucht, um zu kochen.  (Jetzt weiß ich auch, warum die Leute hier immer 2- 1,5 Stunden vor dem Essen anfangen zu kochen.) Um 1 Uhr konnten wir dann endlich die Spaghetti in das fast kochende Wasser geben. Da wir mittlerweile so großen Hunger hatten, hat Larissa mal angefangen, die für den Nachtisch gedachte riesige und wahnsinnig leckere Wassermelone aufzuschneiden.  Mmmh leeecker!!
Für die Tomatensoße gedachten wir passierte Tomaten, Zucchini, Paprika und Avocado zu kaufen. Beim Abschmecken waren wir schon alle etwas verwundert, warum die Soße so wahnsinnig süß schmeckt :p Wie sich später herausgestellt hat, war die „salsa de tomate“ (wörtlich übersetzt Tomatensoße) keine Tomatensoße, sondern Ketchup. Die Grundlage unserer Soße waren also 1,2l Ketchup :P  Für die Babysitterin von der Marianella (sie hatte ihre beiden kleinen Kinder mitgebracht) war das der erste deutsche Kulturschock. Sie hat ihren Teller auch nicht leergegessen, sondern mehr als die Hälfte übriggelassen. Mir hat es auf jeden Fall geschmeckt :D Aber wahrscheinlich auch nur, weil ich ziemlich hungrig war. Jetzt haben wir wenigstens schon den Unterschied zwischen „salsa de tomate“ und „pasta de tomate“ kennengelernt. Hihi

Dienstag, 13. September 2011

Das DAS


Da ich über 18 Jahre alt bin und länger als drei Monate in Kolumbien bleiben werde, brauche ich eine „cédula de extranjería“, so etwas wie ein kolumbianischer Personalausweis für Ausländer. Diesen muss man innerhalb von 15 Tagen beim DAS (Departamento Administrativo de Seguridad) in Cartagena beantragen.
Um diese cédula letztendlich zu bekommen, ist viel Papierkram nötig und da wir keinen Scanner oder Kopierer oder Drucker im Colegio haben, muss man das entweder gegenüber im Internetcafé oder im Centro machen. 
Außerdem benötigt man Passfotos, eine Bescheinigung über seine Blutgruppe und man muss 144.250 Pesos auf ein Konto bei einer bestimmten Bank überweisen, was wirklich nicht einfach ist. Da wir kein kolumbianisches Konto haben, mussten wir das Geld erst abheben und dann zur der Bank Davivienda bringen und dort einen Überweisungsschein ausfüllen. Anscheinend haben wir das nicht richtig hinbekommen und der Bankangestellte am Schalter musste erst mal lachen (er konnte sich das Grinsen, während der ganzen Transaktion nicht verkneifen:P). Mein Spanischvokabular im Bezug auf das Bankwesen ist noch ziemlich ausbaufähig :P Aber mit Hilfe des netten Bankiers und mit einer kleinen Stärkung für zwischendurch (wir haben rote Lutscher geschenkt bekommen :D) ist es uns schließlich gelungen, die Überweisung über die Bühne zu bringen und wir haben glücklich unsere Quittung entgegengenommen.
Die Fotos waren kein Problem. Sie wurden nicht schön, aber auch nicht hässlich und waren billig. Jetzt fehlten nur noch die Kopien und die Blutgruppe. Eigentlich wollten wir die Kopien gestern (Montag) im Internetcafé machen lassen, doch leider kam uns ein 12,5 stündiger Stromausfall in die Quere. Aufgrund eines heftigen Gewitters mit viel Regen (der mal wieder unser Zimmer unter Wasser setzte) fiel der Strom um 12:30 Uhr mittags aus und kam erst um 1 Uhr nachts zurück. In der Zeit funktioniert wirklich nichts mehr außer unserem Gasherd. Nicht einmal Trinkwasser gibt es, da der Filter nur mit Strom funktioniert. Bedauerlicherweise konnten wir so auch nicht die Miss Universe Wahl im Fernsehen schauen :( Da es hier schon um 19 Uhr stockdunkel ist und man ohne Licht nicht duschen kann, bin ich einfach schon um 20 Uhr ins Bett gegangen und konnte wunderbar schlafen. Deeennn, wenn es kein Strom gibt, gibt es auch keine Musik und ich hab die Stille wahnsinnig genossen :D
Die Kopien und die Blutgruppe fehlte nun aber immer noch und deswegen hat uns heute Morgen die Alejandra in die Stadt begleitet. Wir sind zum ersten Mal mit dem öffentlichen Bus gefahren. Hier macht Bus fahren sehr viel mehr Spaß als in Deutschland! Und es ist unglaublich billig: eine Fahrt etwa 40 Cent.
Wie hier die Blutgruppe bestimmt wird, kann man sich einfach nicht vorstellen. Die ganze Prozedur findet in einem Laden statt, wo auch die Passbilder gemacht werden können. Man bezahlt das Geld und bekommt eine Quittung. Mit dieser Quittung wiederum geht man in einen anderen Laden und tauscht die Quittung für einen Fetzen Karton mit einer Nummer darauf ein. Damit geht man in die hinterste Ecke dieses Geschäfts, wo eine junge Dame an einem kleinen Tischchen sitzt. Diese nimmt deinen Namen auf und sticht, nachdem sie den Zeigefinger mit etwas Watte und Parfüm (sollte wahrscheinlich Desinfektionsmittel sein) gesäubert hat, ohne Vorwarnung mit einer Blutlanzette und ziemlich viel Schwung in den Finger. (Jaaa, es war schmerzhaft, da könnt ihr ruhig die Larissa fragen!) Drei Tropfen Blut werden danach auf einer kleinen Glasplatte verteilt und mit unterschiedlichen Flüssigkeiten vermischt. Die Dame konnte dann anhand der Reaktionen des Blutes mit der Flüssigkeit die Blutgruppe bestimmen. Für mich war nur leider gar keine Reaktion erkennbar und da die Glasplatte auch nur mit Wasser gewaschen wird, bevor sie für die nächsten Kunden verwendet wird, bin ich mir auch nicht sicher, ob das Ergebnis stimmt. Aber wenigstens habe ich nun die Bescheinigung und kann endlich morgen früh zum DAS gehen und die cédula beantragen :D
Hoffen wir mal, dass alles glatt läuft!