Sonntag, 13. Mai 2012

Wie die Zeit vergeht


Schon wieder fast ein Monat seit dem letzten Blogeintrag. Vor genau einem Monat ist Krissi zurück nach Deutschland geflogen.
Die Schule ist mittlerweile ganz normaler Alltag eingekehrt ohne Besuch und ohne Examen. Meine Kinder können jetzt schon zusammen auf dreizehn in Englisch zählen, was wir jeden Morgen während unserer Morgenrunde üben, indem immer ein Kind zählt, wie viele Kinder heute da sind. In Mathe habe ich letzte Woche die Familie der 10 mit dem Zahlenzug eingeführt, wo jede Zahl einen festen Sitzplatz hat.
Eine besondere Mathestunde für mich und die Kinder war, als wir so etwas wie Kaufladen gespielt haben, um zählen zu üben. Jedes Kind musste seine Münzen selbst ausschneiden und durfte dann in der Tienda alemana (deutscher Laden) bei mir an der Tafel Papierfrüchte einkaufen gehen. Da hatten wir alle unseren Spaß!
Auch Jimmy und Megan machen Fortschritte. Letzte Woche kam sie her und hat ganz alleine den Satz: Mi mamá vende jugo (Meine Mama verkauft Saft) gesagt. Das war der erste vollständige Satz ohne Hilfe aus ihrem Mund und ich war seeeehr stolz auf sie =), weil sie sich wirklich arg anstrengt und die Worte leider meistens nicht vollständig aus ihrem Mund kommen.
Jimmy hat letzte Woche 5 Minuten vor Unterrichtsende versucht, seine Wasserflasche mit den Zähnen zu öffnen und sich natürlich prompt einen Zahn rausgeschlagen. Aber es sind ja wenigstens noch die Milchzähne. Er kam nur plötzlich auf Margarita und mich zu und hat den Boden vollgeblutet. Ich bin ja echt abgehärtet, aber so Zahn- oder Mundgeschichten find ich immer noch ziemlich eklig. Wir haben ihm dann Klopapier in den Mund gestopft und in so der Mama übergeben. Am nächsten Morgen kam er aber schon wieder gut gelaunt wie immer mit seinem immensen Stimmorgan und hat stolz seine Zahnlücke gezeigt. Oh Jimmy =P
Meine Mama hat mir so Holz-Klapperpuppen geschickt, mit denen wir jetzt fleißig die Wörter in Silben trennen und Willy, die schwarze englischsprachige Rabenhandpuppe, begleitet uns im Englischunterricht und verwuschelt gerne die Haare der Kinder =).
Aber es gibt auch nicht so gute Unterrichtstage, wo einfach gar nichts klappt, alle viel zu beschäftigt sind, sich gegenseitig zu ärgern und Quatsch zu machen, anstatt aufzupassen und ich alles 13x erklären muss und immer noch meine Anweisung nicht befolgt wird und ich heilfroh bin, wenn endlich 12:40 Uhr ist und ich meine Ruhe habe =P.

Am 27. April hat uns Rosita nach vier Monaten in Kolumbien leider verlassen und ist zurück zu ihrer Mama nach Perú gegangen. Lourdes hat sie nach Perú begleitet, da sie noch keine 12 Jahre alt ist und nicht alleine reisen darf. Sie hat die Gelegenheit dann genutzt, um mal wieder ihre Schwiegereltern und Schwager in Arequipa zu besuchen. An Rositas letztem Abend sind wir alle zusammen ins Caribe Plaza (Einkaufszentrum) gegangen und haben Pizza gegessen =). Es ist sehr ruhig im Colegio geworden, seit Rosita weg ist. Wir hatten wirklich viel Spaß zusammen und der Abschied fiel keinem von uns leicht, aber Hugo plant mit ihr nach Deutschland zu reisen, wenn sie 16 Jahre alt ist, dann werden wir uns hoffentlich wiedersehen.
Die letzten zweieinhalb Wochen ohne Lourdes hier im Colegio waren sehr interessant und Larissa und ich haben sehr viel über Perú und Hugos Leben während der Mahlzeiten erfahren =D. Es war lustig, weil Lourdes normalerweise die ist, die während dem Essen die ganze Zeit redet und erzählt und fragt. Aber da sie nicht da war, hat Hugo sehr viel von sich erzählt. Wir saßen oft nach dem Essen noch eine halbe bis dreiviertel Stunde zusammen und haben uns über alles Mögliche unterhalten.
Das war schon eine besondere Erfahrung, da die Hierarchie zwischen Leiter und Mitarbeiter hier in Kolumbien schon ziemlich heftig ist und er sich deshalb noch nicht so oft so auf unsere Ebene eingelassen hat. Diese Hierarchie ist einfach Teil der lateinamerikanischen Kultur und gehört zu Kolumbien dazu wie Reis oder Arepa =), auch wenn sie für mich als Deutsche nicht immer leicht zu akzeptieren war und auch zu Unsicherheit geführt hat.
Auch für Farron gab es eine Veränderung, denn sie hat eine Zimmerkameradin bekommen. Angie, die Kunst-, Musik- und Spanischlehrerin ist vor zwei Wochen bei uns eingezogen, ist aber aufgrund ihrer vielen Energie fast nie hier anzutreffen =D.
Larissa, Julia und ich machen gerade eine Mini-Missionsschule von JuCUM und haben 3x pro Woche abends zwei Stunden Unterricht in der JuCUM-Base im Stadtviertel Manga. Die Schule geht über 6 Wochen und die erste Woche haben wir schon hinter uns und es ist echt gut mit coolen Leuten und Leitern und ich lern viel =). Aber Schule bedeutet natürlich auch Arbeit. Ich muss ein Buch lesen, jedes Kapitel zusammenfassen, die Bedeutung für mein Leben und für meine Gemeinde herausarbeiten, ein Projekt erarbeiten und vorstellen, wie ich Mission in meinem Umfeld einbringen kann und noch ein Land vorstellen, wofür gebetet werden soll.
Es ist ja nicht so, dass ich sonst nichts zu tun hätte =D. Aber es macht mir Spaß, mal wieder selbst Schülerin, anstatt immer nur Lehrerin zu sein,   mich weiterzubilden und mein Gehirn anzustrengen. Irgendwie hab ich das Lernen schon vermisst =P.
Ohhh schon wieder  17 Uhr und die Küche ruft zum Abendessen kochen. Wenn ich Glück hab, gibt es heute sogar Hamburger oder Hot Dog, dann dauert es nicht so lange =).
Ahhh und noch was: das Klima hat sich geändert. Es weht kein Lüftchen mehr, die Luftfeuchtigkeit steigt ins Unerträgliche und ich bin nur am Schwitzen. Haha. Wenn dann die Brühe an einem herunterläuft und es dazu auch noch kein Wasser gibt, dann heißt es mal wieder: Willkommen in San Francisco! =D
Ich wünsch euch eine gute Woche!

Mittwoch, 18. April 2012

Der Besuch


Am 26. März sind meine Schwester Kristina mit Michael, einem Freund, und Larissas Schwester Vera endlich in Cartagena angekommen. Den ganzen Tag waren Larissa und ich schon mega aufgeregt und dann standen sie einfach vor uns =)
Die Zeit war wirklich super schön und wir haben ein richtiges Cartagena- Touriprogramm durchgeführt, viel gesehen und auch viel zusammen erlebt.
Die drei hatten ziemlich ähnliche erste Eindrücke von Kolumbien, Cartagena und dem Colegio wie Larissa und ich zu Beginn, die uns aber schon in Vergessenheit geraten waren, weil so vieles mittlerweile einfach ganz alltäglich und normal ist. Der Besuch hat mir echt den Unterschied von vor 7 Monaten, als ich selber erst gerade in Kolumbien angekommen war, zu jetzt deutlich gemacht. Irgendwie sind Larissa und ich schon sehr abgehärtet während unserem Kolumbienaufenthalt: Kakerlaken in der Küche oder im Zimmer, Ameisen im Brot oder Maden in den Nudeln macht uns alles nicht mehr viel aus und dass das Wasser angeblich einen Schwimmbadgeschmack hat, fällt uns auch schon lange nicht mehr auf.
Vor allem Kristina und Vera waren ziemliche Essens- und Säfteverschmäher hier =P, obwohl doch das meiste echt superlecker schmeckt. Michael hingegen hat ziemlich viel geschmeckt =). Immerhin haben aber alle drei alles Neue probiert und Krissi hat sogar Fisch!!!! gegessen und wir haben drei neue Crepes&Waffles-Fans gewonnen (Während der 2,5 Wochen waren wir 2x dort essen =))
In unserem Zimmer wurde es während der zweieinhalb Wochen ziemlich kuschelig eng mit 4 Personen, aber mit Ventilator war es für die „Neuen“ auch möglich zu schlafen. Michael hatte ein Zimmer, aber damit er sich nicht ganz alleine gefühlt hat, haben ihm Kakerlaken und eine Fledermaus Gesellschaft geleistet.
Die ganze Zeit über gab es immer sehr viel zu lachen unter anderem wegen Larissas und meinen „verspanischtem“ Deutsch und abends wurde viel Ligretto oder Rummicup gespielt, wobei Krissi uns nur selten gewinnen ließ!
Und von den Kindern wurden die drei natürlich geliebt ungeachtet jeglicher Verständigungsprobleme. Spielen geht auch, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht! =)
Am Morgen des 26. habe ich meinen Kindern während unserer Morgenrunde erzählt, dass meine Schwester heute Abend mit dem Flugzeug aus Deutschland ankommt und Bilder von meiner Familie gezeigt. Zoel (5 Jahre) hat daraufhin gemeint: „Ach deswegen habe ich heute Morgen als ich zur Schule gelaufen bin ein Flugzeug über unserem Hausdach gesehen. Das war so nah, dass ich durchs Fenster schauen und deine Schwester sehen konnte!“ (Das war sehr süß, da unser Viertel ganz nah am Flughafen liegt und somit jede halbe Stunde ein Flugzeug ganz nah zu sehen ist). Und später beim Spielen haben alle Flugzeuge aus Duplo gebaut, in denen meine Schwester sitzt. =)
Jetzt will ich euch aber noch bisschen an unserem Touriprogramm teilhaben lassen und werde jeden Tag kurz zusammenfassen:

Tag 1:
Ankunft abends und dann ging es nach dem Duschen auch relativ schnell ins Bett, da für Larissa und mich am nächsten Tag der Wecker wieder um 5:20 Uhr geklingelt hat.

Tag 2:
Morgens Schule: Krissi und Michael wurden von den Kindern mit einem einstudierten: „Good morning, Kristina y Mikael“ empfangen und beim Spielen vor allem von Katherine und Jimmy ziemlich in Anspruch genommen. =) Aber sogar beim meinem Mathe- und Englischunterricht konnten sie mir ein wenig helfen!
Den Nachmittag haben wir am einheimischen Strand „Marbella“ verbracht, der zwar nicht sehr schön, aber dafür nah und immerhin Karibik ist.

Tag 3:
Nach der Schule haben wir den dreien bei einem Stadtrundgang unsere wunderschöne Stadt Cartagena gezeigt und wir sind ein bisschen auf der alten Stadtmauer entlangspaziert. Zum Abschluss des Tages ging es dann noch zu Crepes&Waffles. Es gab leckeren Schoko- und Maracuyacrepes mit frischgepresster Limonade. Qué rico!

Tag 4:
Mittags haben wir ausnahmsweise mal nicht in der Schule gegessen, sondern sind ein Restaurant in das reichere Touristenviertel Bocagrande, um das typische Gericht der kolumbianischen Küste zu probieren: Kokosreis mit Patacón (frittierte Kochbanane) und Mojarra (frittierter Fisch). Dieses Essen gehört zu meinen Lieblingsessen hier in Kolumbien und sogar Krissi hat Fisch gegessen!!! Den Nachmittag haben wir am Touristrand in Bocagrande verbracht und die Dämmerung ausgenutzt um eine Kutschfahrt durch die „ciudad murallada“ (Altstadt, die von der Stadtmauer umgeben ist) zu machen in einer schwarzen Kutsche mit weißem Pferd =). Wunderschön

Tag 5:
Nach dem Unterricht und Kindergottesdienst morgens haben wir uns im Einkaufszentrum Caribe Plaza ein Eis gegönnt und sind dann weiter auf den lauten, großen vollen und etwas überriechenden Markt Bazurto, wo man auch billig Kleidung, Strandtücher, Hängematten,… findet. Der sehr laute und charismatische Gottesdienst abends in der JuCUM-Base war für die/den einen oder anderen leider etwas abschreckend =P. Armer Michi!

Tag 6:
Auf zum Schlammvulkan! Die Fahrt dorthin war etwas beschwerlich, weil es nur einen Bummelbus gibt, der keine Klimaanlage hat und durch alle Käffer fährt und wir dann erst nach 2 Stunden angekommen sind. Der Vulkan ist ein kleiner Hügel in der Landschaft, der grauen Schlamm ausspuckt und in der nahegelegenen Meeresbucht kann man sich den dann wieder abwaschen =). Mit dem Moto ging es danach wieder zur „Bushaltestelle“, wo wir ca. 1 Stunde auf einen Bus warten mussten, der uns wieder mit nach Cartagena nahm.

Tag 7:
Inseltraum: Islas del Rosario und Playa Blanca
Abfahrt: 8:30 Uhr im Hafen von Cartagena
Nach etwa 45min im Schnellboot an den Inseln angekommen. Paradiesisch weißer Sand und türkisblaues, klares Wasser, wo man bis auf den Grund sieht. Die Islas del Rosario (Rosenkranzinseln) sind eine Gruppe von 27 kleinen Inseln vor der kolumbianischen Küste mit vielen Korallenriffen. Vom Boot aus ging es dann erstmal mit Taucherbrille und Schnorchel weiter, um die Riffe mit ihren vielen großen und kleinen bunten Fischen ein wenig zu erkunden. Zu sehen gab es sogar auch eine Seegurke, eine Moräne, einen Clownfisch. Von den anderen farbenfrohen und leuchtenden Gestalten kenne ich leider den Namen nicht =). Nach einem kurzen Abstecher auf eine Insel mit einem Aquarium, ging die Fahrt weiter zum weißen Strand (Playa Blanca) der Halbinsel Barú, wo wir den Rest des Tages entspannen konnten.  
Da die Lehrer an diesem Wochenende eine Lehrerfreizeit hier im Colegio hatten, durften wir dann abends beim Abschlussgrillen dabei sein, wo es unter anderem gekochte Yuca und gegrillte Kochbanane gab. Seeehr lecker! Gell, Krissi =P

Tag 8:
An diesem Tag wurde ich von den Leitern von JuCUM Cartagena gefragt, ob ich für sie übersetzen könnte. Markus Buser (er kommt aus Basel), der Leiter, bekam nämlich an diesem Tag Verwandtenbesuch aus der Schweiz, die gerade eine Karibikkreuzfahrt waren und einen Tag in Cartagena hielten, und war leider zu dieser Zeit in Perú verhindert. Seine Frau Diana spricht weder Englisch noch Deutsch, wollte den Besuch aber auf jeden Fall empfangen. So begleitete ich die drei den Tag über, besuchte mit ihnen die Missions- und die Englischschule von JuCUM und nachmittags machten wir einen kurzen Stadtrundgang mit Besuch der Popa, der Festung San Felipe und der Altstadt. Ich habe den Tag sehr genossen und das ältere Ehepaar, für das ich übersetzt habe, hat mich wirklich beeindruckt. Und mal wieder Schweizerdeutsch zu hören war auch sehr schön =). An dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Schweizer Verwandten.

Tag 9:
Ein entspannter Morgen ohne Schule (Osterferieeeen =)) mit Pfannkuchen und Nutella =D und dann nachmittags Souvenirshoppen in der Altstadt mit Abschluss zur Happy Hour im Hardrockcafé Cartagena.

Tag 10 bis Tag 14: Parque Tayrona und Santa Marta
Nach einer 6-stündigen Busfahrt (anstatt 4) sind wir nach einen Reifenwechsel und ohne Klimaanlage endlich in Santa Marta angekommen, von wo direkt weiter zur Finca Los Angeles ging, auf der es Larissa und mir im Oktober so gut gefallen hatte, dass wir unbedingt mit unseren Schwestern auch dorthin mussten. Da die semana santa (Osterwoche) jedoch Hochsaison ist, war mehr los als das letzte Mal, aber schön wars trotzdem =).
Ein Tag ging es an einen Wasserfall, der leider kaum Wasser hatte, weil wir kurz vor der Regenzeit sind, aber dafür konnten wir dann hochklettern und die, die kaltes Wasser mögen, konnten dort in einem kleinen Becken baden =P.
Am Freitag haben wir uns auf eine kleine Wanderung im Tayronapark begeben und wir hatten echt Glück mit der Wegwahl. Der Park war nämlich übervoll mit einheimischen und ausländischen Touristen, doch keiner hat sich für den wunderschönen „sendero de las nueve piedras“ (den Weg der neun Steine) entschieden, der erst durch den Dschungel zu einem Aussichtspunkt mit einem sagenhaften Blick übers Meer auf der einen Seite und den Dschungel auf der anderen Seite geführt hat und dann weiter an einen einsamen Strand geführt hat. Nach einem leckeren Keks-mit-Thunfisch-und-Ketchup-Mittagessen sind wir langsam wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, um den Nachmittag noch am Strand der Finca verbringen zu können, wo uns unglaublicherweise Delphine einfach so einen Besuch abgestattet haben und in Strandnähe richtig aus dem Wasser gesprungen sind. Das war ein wunderschöner Moment!
Das Wochenende haben wir noch in Santa Marta in einem Hostel mit einer genialen Dachterrasse mit Hängematten drauf verbracht bevor es Sonntagmittag wieder zurück nach Cartagena ging. Diesmal in klimatisierten Bussen und wir haben nur 4 Stunden gebraucht.

Tag 15: Beginn der Klassenarbeiten in allen Klassen
Meine Transiciónkinder mussten ihr Sport- und Englischexamen an dem Morgen machen und es haben auch fast alle bestanden. Yey =)
Nach dem Mittagessen sind wir dann kurz ins Zentrum, um noch einmal nach schönen Mitbringseln Ausschau zu halten. Am frühen Nachmittag fand ein Leitertreffen von JuCUM bei uns im Colegio statt und wir mussten Empanadas (gefüllte Maisteigtaschen) als Snack frittieren und haben selber auch jeder eine abbekommen =).

Tag 16:
Matheexamen in der Transición, wobei drei Kinder es nicht geschafft haben. Das ist hier in Kolumbien aber nicht so schlimm, denn sie dürfen dann dieselbe Klassenarbeit einfach noch einmal schreiben und wenn sie es beim zweiten Mal immer noch nicht schaffen, passiert trotzdem nichts =P.
 Den Rest des Tages haben wir in der Altstadt mit letzten und einem letzten Besuch bei Crepes&Waffles.  

Tag 17:
Der letzte ganze Tag in Cartagena für unseren Besuch.
Ich habe der Margarita morgens bei ihren Examen geholfen. Krissi und Michi haben sich freundlicherweise angeboten, die Kinder draußen am Spielplatz zu beaufsichtigen, die schon mit ihren Arbeiten fertig waren. Hihi =P
Danach war Kofferpacken angesagt, da unsere Schwestern schon ziemlich viel von uns mit nach Hause nehmen sollten/mussten und da es hier keine Waage gibt, blieb es bis zum Schluss spannend.
Dann gab es auch noch etwas Aufregung wegen der Cumbre (Amerikagipfel), die gerade zu dieser Zeit stattfand und am Abflugtag von Krissi, Michi und Vera kamen die meisten Präsidenten aus ganz Amerika an. In den Nachrichten sollte anscheinend deshalb angekündigt worden sein, dass der Flughafen an diesem Tag dicht gemacht wird. Das hat sich aber nach zwei Anrufen beim Flughafen und der Airline als Gerücht herausgestellt.
Unsere Nagelfrau musste natürlich auch kommen, denn wo bekommt man sonst eine komplette Pedi- oder Maniküre für 3 €. =D Sogar Krissi hat sich die Nägel machen lassen.  Die arme Frau saß beinahe drei Stunden bei uns im Büro und hat unermüdlich lackiert.

Tag 18:
Ein letztes Mal Schule und Verabschiedung in der Pause, dann waren die zweieinhalb Wochen auch schon wieder vorbei. Der Rückflug verlief trotz angekündigtem Iberia-Streik ohne Probleme. Aber von den Präsidenten hat sich leider keiner am Flughafen blicken lassen =(.

Am nächsten Tag (Freitag) fiel wegen der Cumbre glücklicherweise die Schule aus, so dass Larissa und ich einen Tag zum Entspannen hatten =). Mittlerweile sind alle Präsidenten wieder mit ihren Riesenflugzeugen abgeflogen. Farron hat sogar Barack Obama im Zentrum gesehen, aber ich hatte keine Lust mich in das Getümmel zu stürzen nur um einen kurzen Blick auf irgendeinen Präsidenten werfen zu können.
Soo, das wars dann auch schon wieder. Wir haben 21 Uhr und ich werde jetzt noch meinen Englischunterricht für morgen vorbereiten. Mittlerweile sind auch die „Recuperaciones“ (Nachschriften der Examen) vorbei und das zweite Schulquartal beginnt morgen.
Buenas noches a todos =)

Sonntag, 25. März 2012

Kolumbianische Eigenarten


1) llamadas
Die meisten Kolumbianer (ich gehöre auch dazu) haben kein Guthaben auf ihrem Handy, da das je  
nachdem wie viel man auflädt schon nach drei Tagen wieder verfällt. Um trotzdem telefonieren
zu können, gibt es die sogenannten llamada-Stände. Das sind einfach Personen, die viele Handys haben (meistens sind die Handys alle mit Ketten oder Schnüren alle miteinander verbunden) und Anrufe an die verschiedenen Handynetze oder fijos (Festnetz) „verkaufen“. Pro Minute zahlt man zwischen 100 bis 200 Pesos (4 bis 8 Cent) und kommt dabei billiger raus als wenn man vom eigenen Handy anruft. Der Nachteil ist jedoch, dass man nie weiß, wer einen angerufen hat, weil es lauter unbekannte Handynummern sind.
     
2) Englisch
Die Kolumbianer sind ja nicht gerade für ihre guten Englischkenntnisse bekannt, aber sobald sich ihnen ein Ausländer nähert, ist es für sie beinahe Pflicht, ihren begrenzten Wortschatz anzuwenden. Dieser beschränkt sich jedoch meist auf die Worte: Hey you, woman, beautiful, Hello Kitty, friend, What’s your name. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass in den Augen der Kolumbianer einfach alle Ausländer „gringos“ (US-Amerikaner) sind.
Es ist immer lustig, wenn wir mit Farron unterwegs sind, die aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe hier gar nicht auffällt und sie deshalb immer auf Spanisch angesprochen wird. Da sie oft aber nichts versteht, springen dann entweder Larissa oder ich für sie ein und ernten immer wieder verdutzte Gesichter, da die „gringas“ Spanisch sprechen und die „colombiana“ Englisch.

3) Kopfnicken
Das Kopfnicken dient hier in erster Linie als ein „Herkommensbefehl“. Wenn dir jemand kräftig zunickt, möchte er, dass du zu ihm kommst. Diese Geste beherrschen schon die kleinsten Kinder und nicken mit sehr viel Bestimmtheit, was mich immer wieder zum Lachen bringt. Und wenn ich mal keine Lust habe, mich zu bewegen, dann nicke ich einfach energisch zurück =).

4) Längen- und Größenangaben
Wenn man hier zum Beispiel zeigen will, wie lang eine Plátano (Kochbanane, die größer sind als normale Bananen) ist, wird die Länge mit beiden Händen wie in Deutschland angezeigt. Stattdessen wird mit der einen Hand auf dem Arm der anderen Hand die Länge „abgemessen“. Dabei sind die Fingerspitzen immer der Startpunkt und von dort geht es dann soweit den Arm nach oben, wie man eben braucht,
Auch bei Größenangaben gibt es einen kleinen Unterschied, denn wenn man zeigen will, wie groß zum Beispiel ein kleiner Junge ist, wird die Höhe zwar wie in Deutschland normal vom Boden aus mit der Hand angezeigt. Doch die flache Hand muss dabei vertikal gehalten werden, denn mit der horizontalen Hand werden nur Tiere abgemessen. Jaja, man kann sich das Leben auch kompliziert machen =P.

5) Der Mund
Was ganz lustiges hier ist die Verwendung des Mundes für Richtungsangaben. Dabei wird der Mund ein bisschen nach vorne oben gekräuselt und damit dann in eine bestimmte Richtung gezeigt. Lippenlesen bekommt hier also eine ganz neue Bedeutung, wenn man entscheiden muss, ob der Mund nach rechts, links oder geradeaus gekräuselt wurde.

6)Körperbau
Das Smalltalk-Gesprächsthema Nummer 1 ist in Kolumbien der Körperbau einer Person. Oft folgt direkt nach der Begrüßung: Oh, du bist aber „flaca“ (dünn) oder „gordita“ (Dickerchen), so wie man in Deutschland übers Wetter redet (Hier wäre „Übers-Wetter-reden“ irgendwie ziemlich langweilig, weil es nicht viel Abwechslung gibt =P) Das Haupt-Charakteristikum einer Person ist immer ihr Körperbau. „Von welcher Person sprechen wir gerade?“- „Ach von der Dicken/der Dünnen/ von der, die in letzter Zeit zugenommen/abgenommen hat“. Das ist hier einfach nicht unhöflich. Auch die Kinder begrüßen einen zum Beispiel mit: „Seño, warum bist du immer noch so dünn?“ Gleich an unserem ersten Tag im Colegio wurden Larissa und ich von den Kindern damit konfrontiert. Und als „gordita“ (Dickerchen) zählt man schon ziemlich schnell. Auch das Schönheitsideal ist anders hier, denn eine wahre Kolumbianerin hat einfach ordentlich Kurven und die „costeños“ (Küstenbewohner) sind von ihrer Abstammung her etwas kräftiger gebaut. Erst in den letzten Jahren ist das Schönheitsideal aus den USA und aus Europa hier angekommen, aber hat zum Glück noch lange nicht überall Fuß gefasst =D.

7)Die Zeitangaben
Zum Schluss darf natürlich auch nicht der Zeitbegriff in dieser Auflistung fehlen. Zeitangaben sind nämlich immer sehr vaaage und auch keinesfalls verlässlich oder ernst zu nehmen. So kann „ahorita“ (gleich, jetzt, sofort) gleich-jetzt, gleich-nachher, gleich-später oder auch gleich gar nicht bedeuten. Und „hoy“ (heute) kann genauso heute wie „heute im Juni“ bedeuten =P.
Unsere Lehrerin Ethel kam nämlich mal an einem Samstag vor etwa zwei oder drei Wochen hier vorbei, weil sie eine Projektarbeit für ihr Studium über das Abwasser hier im Barrio San Francisco machen musste/wollte. Und sie meinte, sie müsse sich so beeilen, weil sie noch gar nicht weit gekommen ist und die Arbeit müsse heute fertig werden. Hugo hat dann gemeint: „Echt, heute-heute? Also genau heute an diesem Tag?“ – „Jaaa, heute im Juni. Ich muss mich also echt ranhalten.“ =P


Soo, das waren mal ein paar kolumbianische Eigenarten, die mir eingefallen sind. Mehr fallen mir gerade nicht ein, weil ich mich einfach schon sehr an die Menschen und ihre Kultur gewöhnt habe =).

Ansonsten haben wir hier immer noch ziemlich viel „brisa“ (Wind), sodass die Stühle alleine vom Tisch wegwandern. Vergangenen Samstag hat es aber anscheinend das erste Mal seit Mitte Dezember kurz geregnet. Tagsüber ist es meist heiß und nachts eher kühl, da es kaum bewölkt ist.
Seit dieser Woche gibt es jedoch schon an und zu bewölkte Tage. Bewölkt heißt aber nicht gleich kühl, da die Schwüle dann meistens drückender ist.

Letztes Wochenende waren Larissa, Julia und ich mal wieder in Barranquilla unsere Mentorin Marianella besuchen und haben es uns so richtig gutgehen lassen mit Shoppen, Pizza essen und Kino =).
So langsam geht auch schon das erste Schuljahrquartal zu Ende und ich bin mit meinen Kindern in der Klassenarbeitsvorbereitung. Es gibt leider zwei Kinder, Jimmy und Megan, die ziemlich schlecht in der Schule vor allem in Mathe und Lesen und Schreiben sind. Nicht einmal die Farben können sie sich merken. Ich hab auf alle möglichen Arten versucht ihnen die Zahlen beizubringen und verschiedene Lerntypen anzusprechen, aber so langsam komm ich an meine Grenzen. Vor allem arbeiten die Eltern öfters auch nicht mit mir zusammen, sondern eher gegen mich, wenn sie einfach die Hausaufgaben für ihre Kinder machen, weil sie keine Geduld haben. Ich hoffe einfach, dass sie die Klassenarbeit irgendwie meistern.
Lehrer sein ist echt nicht einfach! Ich würde so gerne mehr Zeit in die beiden investieren, aber auf der anderen Seite habe ich auch noch zwölf andere Kinder, die ziemlich gut in Mathe sind. Einen Unterricht so zu gestalten, dass er für alle anspruchsvoll, jedoch machbar und auch noch Spaß macht, ist jeden Tag aufs Neue eine große Herausforderung.
Jetzt ist es noch eine Woche Schule bis zu den einwöchigen Osterferien, in denen ich nochmal alles wiederholen kann. Am Freitag müssen die Klassenarbeiten zur Kontrolle beim Hugo abgegeben werden, denn direkt nach den Ferien beginnt die Klausurenwoche zum Abschluss des ersten Quartals.

Mooorgenabend schon kommt meine Schwester Kristina zusammen mit einem Schulkamerad und der Schwester von der Larissa =D. Ich freu mich schon riesig auf die zweieinhalb Wochen, in denen ich ihr meine kleine kolumbianische Welt zeigen kann. Wir haben die Tage ganz typisch deutsch schon durchgeplant und ziemlich vollgepackt und es wird bestimmt eine supertolle Zeit!
Macht’s gut und frohe Ostern =)

Sonntag, 11. März 2012

Einbrecher und Läuse


Hallo ihr,
wir haben gerade Sonntagmorgen, 6 Uhr  und ich sitze an unserem Esstisch und genieße es, für mich zu sein. Die Sonne ist schon vor einer halben Stunde aufgegangen, die Vögel zwitschern, Hunde bellen, die Musik bei unseren Nachbarn läuft immer noch (seit gestern Mittag) und die Straße ist auch schon ziemlich befahren.
Irgendwie habe ich das Ausschlafen verlernt. Unter der Woche klingelt mein Wecker sowieso immer schon vor 6 Uhr und am Wochenende, wenn man Wochenenddienst fängt das Putzen meistens so um 7 Uhr oder halb 8 an.

Um auf die Überschrift zurückzukommen: eine ganz normale ruhige Woche gibt es hier glaube ich gar nicht =P.
Freitag oder Donnerstagnacht vor einer Woche fand der erste Diebstahlt statt. Auf jeden Fall hat am Freitag eine Wellblechlamelle (ich weiß nicht, wie das auf Deutsch heißt, aber das Wörterbuch übersetzt das so =P)aus dem Dach der drei neuen Klassenzimmer gefehlt. Die Hunde haben in der Nacht auch ziemlich viel gebellt, aber ich hab mir nichts dabei gedacht, denn unser Gelände ist von einer Mauer mit Stacheldraht und Glasscherben umgeben. Das Problem ist aber, dass das neue Gebäude ziemlich nahe an der Mauer gebaut wurde und die Einbrecher dann einfach die Mauer mit einer Leiter oder einem Brett mit dem Dach der Klassenzimmer verbinden. Die Hunde können also nichts machen außer bellen.
Das Zimmer von Larissa und mir hat ein Fenster nach hinten, so dass man zwar nicht hinsieht, aber wenigstens die Hunde besser bellen hört. Deshalb wurde uns aufgetragen, nachts ein bisschen wachsam zu sein und Hugo zu wecken, falls etwas Außergewöhnliches passiert. Das hat dazu geführt, dass ich nachts bei jedem lauterem Hundegebell gleich wach war, aber immerhin wurde nachts nichts mehr gestohlen.
Aber dafür noch einmal nachmittags als nur Larissa, ich und Rosita da waren. Die Hunde waren aber bei uns vorne und haben deshalb auch nicht mitbekommen, was im hinteren Teil des Geländes passiert ist. Auf einmal standen jedoch zwei Polizisten an unserem Tor, weil sie anscheinend von Nachbarn benachrichtigt wurden, dass gerade bei uns Wellblechlamellen gestohlen wurden.
Niemand von uns drei wusste jedoch, welche Lamellen vorher schon gefehlt hatten und ob das eine Loch neu ist oder nicht. Naja, immerhin haben wir dann irgendeine Handynummer von der Polizei bekommen und gestohlen wurde seit dem auch nichts mehr. Hoffentlich bleibt das auch so, weil die Einbrecher über diesen „Weg“ jetzt Zugang zum gesamten Gelände haben.

Am Dienstag hat unsere liebe Hündin Mota zwei kleine süße Hundebabys auf die Welt gebracht =). Wir haben die Geburt erst in ein oder zwei Monaten erwartet und die Hundebabys sind auch sehr klein diesmal, aber alle drei sind fit. Sie lässt mich dieses Mal sogar hin und ich darf die Babys streicheln =D. Sie wohnt jetzt in einem der neuen Klassenzimmer, also ist wenigstens ein Hund immer hinten und passt auf.

Jetzt komme ich zu den Läusen =P :
Ein Gespräch beim Mittagessen letzte Woche waren die Läuse der Kinder bei uns in der Schule. Und wir haben darüber geredet, welche Anzeichen es dafür gibt. Ich hab dann nicht weiter darüber nachgedacht, bis mir am Abend irgendwann aufgefallen ist, dass meine Kopfhaut in letzter Zeit ziemlich oft juckt.
Am Mittwoch nach der Schule hat mich Margarita gleich untersucht und natürlich Läuse festgestellt. Wenn man die Läuse weder im Kindergarten noch in der Grundschule bekommt, dann musste ich sie halt jetzt mit 20 Jahren noch nachholen =P. Für die Leute hier sind Läuse aber eher alltäglich und nicht weiter schlimm.
Ich bin dann aber sofort losgelaufen zur Apotheke und hab mir zwei kleine Päckchen Läuseshampoo und einen Nissenkamm gekauft (hat alles zusammen 1€ gekostet). Ein Glück hatte jemand den Duscheimer zur Hälfte mit Wasser gefüllt, weil ich sonst bis zum Abend hätte warten müssen, da wir mal wieder kein Wasser hatten. Danach hab ich doch ein paar viele Läuse und Nissen rausgekämmt und das Kopfhautjucken hat gleich aufgehört =D. Jetzt kämme ich mir jeden Tag die Haare mit dem Kamm, aber schon am nächsten Tag habe ich nur noch ein paar Nissen gefunden und mittlerweile gar nichts mehr.
Was ich daraus gelernt habe: Ich dachte immer, Läuse zu haben, wäre wirklich schlimm und eklig, aber es ist keins von beidem. Außerdem wird man sie schnell wieder los (zumindest, wenn man so Haare hat wie ich. Bei den Kindern mit den ganz krausen Haaren ist es eigentlich unmöglich mit dem Nissenkamm durchzukommen.) Ich wurde sogar ausgelacht, weil ich meine Bettwäsche mit kochendem Wasser gewaschen habe =P.
Aber, ich werde meine Haare im Unterricht jetzt nicht mehr offen lassen, sondern immer zusammenbinden oder ein Kopftuch tragen!

So jetzt sollte ich mal mit Putzen anfangen,
ich wünsche euch noch einen schönen Sonntagnachmittag

Eure Anka