Sonntag, 12. Februar 2012

Viel los im Colegio


Während unseres Urlaubes hatte sich im Colegio doch einiges verändert. Ich hatte mir einen ruhigen Wiedereinstieg vorgestellt, doch als wir am 9. Januar abends in San Francisco ankamen, war das Haus sozusagen ziemlich voll. Zum einen „verbrachte“ eine vierköpfige Familie aus Bogotá mit einem Cousin und einem älteren Mann ihre Ferien im Colegio, um drei neue Klassenzimmer für unsere Schule zu bauen. Außerdem wohnte ein Cousin von Lourdes in der neuen Bibliothek, um ebenfalls zu helfen und Lourdes Bruder mit Frau, Schwägerin und kleinem Kind waren für 2 Tage zu Besuch. Hugo war mit seiner elfjährigen Tochter mittlerweile auch aus Perú wieder zurückgekehrt. Das Haus war also voll.
Die zweite Veränderung war, dass unser Welpe Fiona kurz vor unserer Rückkehr verschenkt worden war =( und mein Lieblingshund von dem anderen halbtot gebissen wurde. Der arme war nur noch ein Häufchen Elend mit vielen Wunden und einem riesigen Loch im Hals, wo 20 Würmer herausgezogen wurden und sich die ganze Hautschicht vom Hals abgelöst hatte. Er musste insgesamt über einen Monat eingesperrt in einem Klassenzimmer verbringen und die Wunde ist bis heute noch nicht wieder ganz zugewachsen. Am Anfang sah er so schlimm aus, dass ich seinen Anblick kaum ertragen konnte, aber mittlerweile hat er wieder bisschen zugenommen und wenigstens ist die Haut wieder angewachsen =).
Sogar das Klima hatte sich in den 3,5 Wochen verändert. Die Luftfeuchtigkeit war kaum noch zu spüren und der Himmel tagsüber und auch nachts fast immer klar. Die Sonne war deshalb ziemlich stark, aber dafür hat es nachts auch abgekühlt und ich bin morgens immer mit Vliesjacke aufgestanden =P.

Mit Sergio, Lourdes Cousin, haben wir dann Wandfarbe in den Klassenzimmern abgespachtelt und neu gestrichen, Tische und Stühle geputzt und andere Tische abgeschliffen und neu gestrichen. Außerdem waren Larissa und ich für das Essen zuständig und haben deshalb jeden Tag mindestens drei Stunden in der Küche verbracht.  Kurz nachdem Lourdes Bruder abgereist war, kam Lourdes Vater aus Barranquilla für ein paar Tage zu Besuch und hat angefangen, unsere riesige überwucherte Wiese mit der Machete zu mähen und dann Stück für Stück abzubrennen. Er ist ein großer, schlanker Mann mit von der Sonne gegerbter Haut, der immer seinen Hut trägt und ziemlich eigen ist, aber trotzdem sehr sehr nett ist und uns jeden Morgen in der Küche ein Lied gesungen hat =P.
Mit ihm und dem älteren Mann aus Bogotá haben wir lange Abende mit Dominospielen verbracht. Domino ist in Kolumbien so etwas wie ein Volksspiel, das an jeder Straßenecke hauptsächlich von Männern gespielt wird. Aber für die älteren Männer ist es viel mehr als ein Spiel. Es wird diskutiert, die Spielsteine werden auf den Tisch gehauen und wenn man verliert, sind natürlich immer die anderen oder das Dominospiel oder was auch immer Schuld, aber nie man selber. Erst recht nicht, wenn man gegen eine Frau verliert =P.
Nach ihm kam dann Lourdes Mutter mit zwei ihrer Enkelinnen für ein Wochenende. Es war also immer was los =)

Die vierte große Veränderung war Farron. Mitte Januar kam Farron aus Chicago für 6 Monate zu uns in die Schule, um hier zu helfen. Die ersten eineinhalb Wochen schlief sie bei uns im Zimmer, wo es mit einem dritten Bett doch ziemlich eng wurde. Aber nachdem die Familie aus Bogotá Ende Januar nach Fertigstellung des Rohbaus der neuen Klassenzimmer abgereist war, konnte sie in das Zimmer umziehen, das wir ganz zu Beginn bewohnt hatten. Mit Farron ist es allgemein nicht ganz so einfach, weil sie im Gegensatz zu ihren Behauptungen kaum Spanisch spricht (und wenn dann mit so einem starken amerikanischen Akzent, dass es weder Erwachsene noch Kinder verstehen) und zum anderen kommt sie mit den einfachen Verhältnissen, in denen wir hier leben, nicht gut klar. Sie scheint einen ziemlich heftigen Kulturschock zu haben, aber es wird langsam ein bisschen besser.

In der letzten Januarwoche fingen dann die Vorbereitungen für das neue Schuljahr an, das am 2. Februar begann. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich zwar nur ca. 50 Kinder angemeldet und genügend Lehrer hatten wir auch noch nicht. Aber es kamen zwei neue Lehrerinnen dazu, die vor Energie und neuen Ideen nur so übersprudeln (wär schon cool, wenn auch nur ¼ der Ideen umgesetzt werden würden) und echt viel Zeit investieren.
Eine der zwei ist Musik- und Kunstlehrerin und will sogar einen Schulchor aufbauen =D. Ich mag unser neues Lehrerteam und freu mich schon auf die Zusammenarbeit!
Ich darf dieses Schuljahr wieder in der Transición unterrichten und bin für die Fächer Mathe, Musik und Englisch (vielleicht auch noch Kunst) zuständig. Larissa ist die neue Sport- und Englischlehrerin für die Klassen 1 bis 5.
Entgegen der angemeldeten 5 Kinder (ich hatte mich schon echt über eine kleine Gruppe gefreut =P) kamen am ersten Schultag doch doppelt so viel und drei weitere sollen noch folgen. Der Großteil der Kinder ist erst 4 Jahre alt und noch eher im Spielalter, aber ich gebe mein Bestes, dass sie am Ende des Schuljahres bis 100 zählen können und einige Worte Englisch sprechen.
Gerade bin ich am Lehrplan erstellen, weil das jeder Lehrer für sich und sein Fach selbst machen muss. Ich finde es ein bisschen schwer, einzuschätzen wie viel Lehrstoff die Kinder in den 40 Schulwochen lernen können, aber es wird schon irgendwie gehen. Ziemlich viel Verantwortung dafür, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin. =P
Aber meine ersten beiden Mathestunden diese Woche verliefen echt gut und die strahlenden Gesichter, wenn die Kinder merken, dass sie am Ende der Stunde eine Null und eine Eins alleine schreiben können, gleichen die Vorbereitungszeit wieder aus =D. Und in der ersten Englischstunde mit Willy, dem Raben (eine englischsprechende Handpuppe) haben sich die Kinder schon auf Englisch vorgestellt, auch wenn die meisten sich nur getraut haben, es dem Raben ins Ohr zuflüstern =).
Jeden Schultag werde ich gefragt, wo mein Vogel heute ist. Hihi

Zum Schluss komme ich nochmal auf Rosita zurück, die ist nämlich gerade auch ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Colegio. Hugo und Lourdes sind richtig glücklich, sie hier zu haben und machen viel als Familie zusammen, wobei Larissa und ich auch in die Familie aufgenommen worden sind =). Für mich ist Rosita eine kolumbianische Naemi, die in meinem Bett sitzt und Handy spielt, mir Frisuren macht, viel redet und viel Kontakt sucht und gerne Larissa und mich als große Schwestern hätte =).

Sooo, jetzt seid ihr mal wieder auf dem neuesten Stand =). Jetzt bin ich schon fast ein halbes Jahr in Kolumbien und deshalb findet nächste Woche von Dienstag bis Sonntag unser Zwischenseminar für alle kolumbianischen Freiwilligen in Barranquilla statt.

Ganz liebe Grüße



Mittwoch, 1. Februar 2012

Sechste und letzte Urlaubsstation: Santa Marta vom 7. bis zum 9. Januar


Kurz nachdem wir unsere Tickets für die Fahrt von Medellín nach Santa Marta am Busterminal gekauft hatten, haben wir erfahren, dass in der Nacht davor anscheinend irgendwas auf der Busfahrt schiefgegangen sein soll. Ziemlich beunruhigt bin ich dann in den Bus für die 15stündige Fahrt eingestiegen. Den größten Teil der Reise hab ich dann aber ganz friedlich verschlafen bis kurz nach einem Stopp in Barranquilla (etwa 1,5 h vor dem Ziel Santa Marta) meine Gepäckstücknummer aufgerufen wird. Der Busfahrer teilte mir dann freundlich mit, dass ein älterer Herr meinen schwarz-roten Rucksack mit seinem roten Rucksack in Barranquilla verwechselt hat (dass er selbst verbockt hatte, die Gepäcknummerzettel zu vergleichen, hat er natürlich nicht erwähnt) und der Rucksack deshalb in Barranquilla geblieben ist. TOOOOLL. Aber das wäre ja natürlich überhaupt kein Problem, den Rucksack würde ich noch am selben Abend wiederbekommen. JAAJAA
In Santa Martha am Terminal wollte ich dann eine Sicherheit, dass ich ihn wirklich wiedersehe und ich habe zwei Telefonnummern bekommen, wo ich abends um 6 Uhr anrufen sollte, um dann den Rucksack abzuholen, der mit dem nächsten Bus geschickt werden sollte. (Das Geld für die Taxifahrt hab ich mir natürlich auch von dem Busfahrer geben lassen, das er widerwillig aus eigener Tasche gezahlt hat.)
Den Nachmittag verbrachten wir trotzdem am Strand in Taganga, einem kleinen Fischerdorf. Da ich nur lange Kleidung dabei hatte, bin ich halt in Unterwäsche und mit Larissas bisschen weiter Shorts baden gegangen =P.
Gegen Abend rief ich dann mehrmals auf beiden Nummern an, aaaber ging natürlich keiner dran. Also sind Larissa und ich losgezogen um persönlich nach dem Rucksack zu fragen. Wie zu erwarten war, war von diesem jedoch keine Spur. Nach ein wenig Druck auf die Ticketverkäuferin am Schalter rief sie in Barranquilla an und bekam heraus, dass der Rucksack noch dort stand, aber mit dem Bus um halb 9 Uhr abends losgeschickt werden sollte. Ich gab ihr meine Handynummer, damit sie dann um 11 Uhr abends anrufen sollte, wenn er da ist. (Ich hätte ihn dann aber erst am nächsten Morgen abholen können).  Leeeider kam kein Anruf und am nächsten Morgen ging immer noch keiner ans Telefon. Die Nacht hatte ich ziemlich schlecht geschlafen, denn meine Hoffnung schwand mit jeder Stunde und ich wütend war ich auch.
Um 9 Uhr morgens bin ich dann alleine zum Terminal gefahren (mittlerweile war das Taxigeld schon lange aufgebraucht) und am Schalter der Busgesellschaft hatte keiner eine Ahnung. Das hat dann aber das Fass zum Überlaufen gebracht und ich bin ein bisschen ausgerastet. Mir war so egal, was die Leute von mir dachten, Hauptsache ich bekam meinen Rucksack wieder. Ich wurde von einer Person zur nächsten gereicht, bis ich einem Mann mal ganz deutlich gesagt hab, dass er sofort in Barranquilla anrufen sollte. Aber dort war mein Rucksack nicht mehr. AHHHHH Ich bin dann heulend an der Tür zum Büro stehen geblieben, um genau mitzubekommen, was er sagt und wie sich die Sache entwickelt. Ihm war das sichtlich unangenehm und er wollte mich immer wieder ins Wartezimmer abschieben, aber sobald ich außer Sichtweite war, haben die einfach aufgehört sich darum zu kümmern. Nach tausenden Telefonaten ist er dann einfach verschwunden und kam nicht wieder.
Ich bin dann einfach zur nächsten Schalterdame gegangen vor allen anderen Kunden und hab gemeint, ich will auf der Stelle wissen, was los sei. Nach 2 Stunden hatten sie dann mal herausgefunden, dass der Rucksack mit dem Bus aus Barranquilla am Vorabend mitgeliefert, bloß aufgrund der Unfähigkeit des Busfahrers nicht in Santa Martha ausgeladen wurde, sondern einfach bis nach Maicao (4-5Stunden von Santa Martha Richtung Venezuela) mitgereist ist. Zum Zeitpunkt des Telefonats befand er sich also im Büro der Busgesellschaft in Maicao und der nächste Bus fuhr erst um 1 Uhr nachmittags wieder nach Santa Martha. Die Frau hat mir dann einfach so gesagt, ich solle um 5 Uhr nachmittags wiederkommen. Da bin ich dann nochmal bisschen mehr ausgerastet und hab gemeint, entweder mir wird jede einzelne Taxifahrt bezahlt oder der Rucksack wird mir ins Hostel geliefert und ihre Handynummer wollte ich auch. Dann bin ich gegangen, um den Tag mit den anderen am Strand von Santa Martha zu verbringen.
Und tatsächlich hat sich mein ganzes Theater gelohnt, denn um 16 Uhr rief der Mann von der Busgesellschaft an, um zu sagen, dass er den Rucksack hat. Um kurz vor 17 Uhr wurde er mir dann persönlich ans Hostel geliefert!!! Ich war sooo glücklich. Der Hostelbesitzer hat sich die ganze Zeit lustig über mich gemacht, weil ich ein mega Grinsen auf dem Gesicht hatte =D.
Das musste natürlich gefeiert werden, da es auch gleichzeitig der letzte Abend unseres Urlaubes waren und deshalb sind wir Kokosreis, Patacón und Fisch essen gegangen.
Den nächsten Vormittag konnte ich nochmal gaaanz entspannt und im Bikini und mit Handtuch am Strand in Tanganga verbringen und die Karibik genießen.
Am 9. Januar haben Julia, Larissa und ich nachmittags die letzten vier Stunden wieder zurück nach Cartagena zurückgelegt, während Doreen und Gerrit weiter in den Tayronapark gezogen sind.
Es war wirklich ein klasse Urlaub und wir haben wahnsinnig viel erlebt, viele Leute kennengelernt und gaaanz viel gesehen =) Die Zeit wird unvergessen bleiben.

Im Nachhinein haben wir auch erfahren, was in der Nacht vor unserer Busfahrt passiert ist: Der Bus von Medellín nach Santa Marta wurde von der Guerilla überfallen, der Busfahrer ermordet und der Bus ausgebrannt.
Außerdem gab es anscheinend in Santa Marta die letzten zwei Tage bevor wir angekommen sind einen Streik, der von Paramilitärs ausgerufen wurde. Sie hatten angedroht, jeden zu ermorden, der seinen Laden öffnet oder z.B. Taxi fährt. Es herrschte also absolute tote Hose in Santa Martha.
Zum Glück hab ich das alles erst danach erfahren!! Unsere spontane Urlaubsplanänderung war also wirklich auf den Tag perfekt geplant gewesen =P

Dienstag, 31. Januar 2012

Fünfte Station: Medellín vom 30. Dezember bis 6. Januar

Die knapp fünfstündige Busfahrt von Manizales nach Medellín war recht kurz, aber wie immer gab es viele Kurven und der Bus war schon ziemlich kaputt. Ich hab gelernt, die merkwürdigsten Busgeräusche und die waghalsigsten Überholmanöver zu ignorieren, weil man doch nichts ändern kann.
Gleich am ersten Abend haben wir vom Hostel aus ein bisschen die Gegend erkundigt und haben ein Restaurant gefunden, wo wir echten deutschen Döner gegessen haben. Suuuuper lecker!!
Den letzten Tag des Jahres haben wir erfolglos damit verbracht ein Silvesteroutfit zu finden, aber dafür haben wir ein Crêpe bei Crêpes&Waffles gefunden :D
Das Silvester am Abend dann war sehr sehr denkwürdig. Für 9000 Pesos sollte es ein gemeinsames Abendessen im Hostel geben. Da die Hostelinhaberin aber zu lange gebraucht hatte, um sich zu richten, mussten wir ihr ab halb 11 helfen, das Essen zu kochen und herzurichten. Die Zeit hat dann natürlich nicht mehr ganz gereicht und um Mitternacht waren wir noch mitten am Essen =P Den Brauch 12 Trauben innerhalb von 2 Minuten zu essen und sich bei jeder etwas zu wünschen haben wir dann etwas verspätet durchgeführt, aber war trotzdem interessant.
Die folgende Party im Hostel, die bis morgens um 8 Uhr dauerte, entsprach nicht wirklich unseren Vorstellungen, weshalb wir dann schon recht früh und mit Oropax ausgestattet (hat aber nichts gebracht) ins Bett sind.
Am ersten Januar war es dafür dann zieeeemlich ruhig im Hostel =P. Wir haben einen Film angeschaut und gegen Abend sind wir mit der Metro zum Fluss Medellín gefahren, der durch die Stadt fließt. In der Weihnachtszeit wird der entlang des Flusses jedes Jahr eine gigantische Beleuchtung angebracht mit ganz vielen unterschiedlichen Motiven. Mit den vielen Essensständen entlang des Flusses ähnelte es ein klein wenig einem Weihnachtsmarkt =).
Ab dem 2. Januar durften wir in der „Luxussuite“  =) von  Kerstin und Maria, die als Freiwillige in Medellín arbeiten, wohnen. Die zwei haben im 24. Stock eines neugebauten Hochhauses eine eigene Dreizimmerwohnung mit einer super Aussicht  über die riesige Stadt, einem richtigen Bad mit warmem Wasser zum Duschen, einer Küche uuuund einem (Bett-)Sofa. Vooooll krass =D Larissa und ich durften auf dem Bettsofa mit Blick über das Lichtermeer von Medellín bei Nacht schlafen. (Ein klein wenig neidisch wurde man da schon, aber ich bin trotzdem sehr froh, dass ich im Colegio in San Francisco wohne. Hier ist glaube ich, genau der richtige Platz für mich =))
Kerstin hat uns gleich am ersten Tag mit ein paar Freunden bekannt gemacht, mit denen wir dann die Bandeja Paisa essen gegangen sind. Das ist ein für die Region typisches Gericht, das aus knusprig gebratener Schweineschwarte (nicht ganz mein Fall), Arepas, Reis, Avocado, roten Bohnen und Plátano (frittierte Kochbanane) besteht.
Abends waren wir bei den Gründern des Projektes Brazos Abiertos (Open Arms), bei dem Maria und Kerstin arbeiten, eingeladen. Es gab Lasagne, eine richtige Schüssel Salat, verschiedene Säfte und zum Nachtisch selbstgebackene Cookies und Brownies. (Der Mann ist US-Amerikaner und sie Puerto-Ricanerin =P). Nach diesem Tag war ich einfach so richtig vollgefressen. Ihr Haus liegt etwas außerhalb von Medellín auf einem Berg und der Blick über die 5-Mio-Stadt bei Nacht ist noch besser als vom Bettsofa aus! =D
Der nächste Tag war der Tag der Projekte von Maria und Kerstin. Den Morgen haben wir mit Maria in dem Kinderheim für Jungs, die aus sehr schwierigen Verhältnissen kommen, verbracht. Wir durften mit ihnen Mittagessen und sie haben uns Armbändchen knüpfen beigebracht. Es war sehr lustig, aber die Jungs haben es schon dicke hinter den Ohren =P.
Nachmittags durften wir Kerstins Projekt kennenlernen, die mit jungen Frauen arbeitet, die entweder schwanger sind oder schon Kinder haben. Die Frauen sind zwischen 13 und 18 Jahren alt, also eigentlich noch Mädchen und die Arbeit ist nicht einfach. Es herrschte ein ziemlich rauer Umgang und ein wahnsinnig hoher Lärmpegel. Trotzdem war es sehr schön mal wieder ein Baby in den Schlaf zu wiegen =D.
Am Mittwoch (4. Januar) durften wir mit den Jungs aus Marias Projekt zusammen auf einen Ausflug an einen See etwa 1h außerhalb von Medellín. Auf der Hinfahrt durch den Wald sah es wirklich ein bisschen so aus wie im Schwarzwald. =) Während die Jungs im eiskalten Wasser schwimmen waren, haben wir Frauen mit Yuka und Kartoffel schälen beschäftigt. Als Mittagessen sollte es nämlich Sancocho (kolumbianischer Eintopf) geben. Das Fleische wurde im Dampfkochtopf überm Feuer gekocht, werden die Suppe in einem Riesentopf erwärmt wurde. Um ungefähr halb 4 Uhr nachmittags war das Essen dann fertig =P. Aber es hat wirklich Spaß gemacht und wir konnten unsere Armband-Knüpftechniken weiter ausbauen.
Kerstin hatte sich den nächsten Tag freigenommen und wir sind mit ihr und einem Freund mit dem Metrocable (Seilbahn in Medellín) zum Parque Arvi gefahren. Komischerweise war an dem Tag aber so viel los, dass wir 2 Stunden anstehen mussten bis wir erstmal in die Seilbahn einsteigen konnten. Aber dann ging es über die Stadt hinweg vorbei an der Biblioteca de España (sieht aus wie große schwarze Würfel) hoch in die Natur. Das Naturschutzgebiet ist riesig groß und ein Teil davon war früher von Ureinwohnern besiedelt. Wir sind einfach ein bisschen querfeldein im Wald gelaufen und über Flüsse balanciert und haben die Natur genossen. =)
Der nächste und letzte Tag in Medellín war ein sehr vollgepackter Tag. Um 10 Uhr morgens ging es los zum PARAGLIDEN. Für 32€ konnte man 20min über Medellín fliegen. Dafür mussten wir aber erstmal mit dem Bus viele Kurven nach oben fahren. Medellín ist von allen Seiten von Bergen eingekesselt, wenn man aus Medellín raus will, muss man also zwangsläufig zunächst in die Berge fahren. Von der Paragliding-Station mussten wir dann noch einen steilen Hügel hochklettern bis wir zum Abflugpunkt kamen. Ich war gleich die erste, die fliegen durfte. (Wir haben Lose gezogen, damit es auch schön gerecht ist =P). Mit Gurt und Helm ausgerüstet, stand ich dann an meinem Pilot befestigt auf dem Hügel und hab mit zittrigen Knien auf den richtigen Aufwind gewartet, um dann so schnell ich konnte auf einen Abhang zuzurennen. Hat mich viel Überwindung gekostet. Die ersten 5 Flugminuten waren wirklich wahnsinnig spektakulär. Man sitzt wie in einem Sessel, die Beine baumeln in der Luft und hat einen genialen Ausblick auf die Berge und auf Medellín.
Allerdings wurde mir dann langsam immer schlechter und schlechter. Der Schirm dreht sich die ganze Zeit nur im Kreis und schraubt sich so in die Höhe. Wenn man in den Schatten fliegt, geht es dann auf einmal ganz schnell wieder nach unten, weil der Aufwind wegfällt. Mir war einfach nur sooo schlecht. Meine einzige Hoffnung war, dass 20 Minuten ja nicht so lang sein können, aber sie haben sich eeeewig hingezogen. Ich konnte irgendwann weder meinen Kopf irgendwie bewegen geschweige denn Fotos machen, weil ich mich nur darauf konzentrierte, mich nicht zu übergeben. Der Pilot hat immer mehr Kreise gedreht und wir sind immer höher gestiegen. Es wurde richtig kalt, aber ich hatte ja zum Glück meine super Regen-/Windjacke an =). Die Landeanflugskurve nach einer gefühlten Ewigkeit war nochmal richtig heftig und dann hatte ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Ich konnte mich weder bedanken noch selber ausschnallen, sondern hab mich einfach ganz flach auf den Boden gelegt und mich die nächste halbe Stunde nicht mehr bewegt. Ich war zum Glück nicht alleine, denn neben mir lag die Doreen, die sich in der Luft übergeben musste. Sie hat mir dann auch mittgeteilt, dass mein Pilot aus den 20 Minuten einfach 40 Minuten gemacht hat. Kein Wunder, dass mir die Zeit in der Luft so lange vorkam!
Die kurvige Fahrt im Stehen in einem überfüllten Bus zurück nach Medellín hat uns dann noch den letzten Rest gegeben.  NIE WIEDER WERDE ICH PARAGLIDING MACHEN!
Abends nachdem wir uns einigermaßen ausgeruht hatten, sind wir noch mit ein paar Freunden von Maria und Kerstin in das „Pueblito Paisa“ gelaufen. Das ist ein altes Dorf mitten in Medellín auf einem Hügel, das unter Denkmalschutz steht und zeigt, wie die Menschen früher in der Gegend gewohnt und gelebt haben. Es war wirklich ein schöner Abschluss und danach ging es gleich zum Terminal, von wo wir spontan noch an die Karibikküste nach Santa Martha gefahren sind, um die letzten Tage unseren gemeinsamen Urlaubs am Meer verbringen zu können!

Sonntag, 22. Januar 2012

Vierte Station: Manizales, auch noch Kaffeezone vom 29. bis 30. Dezember

Nach nur drei Tagen in Salento reisten wir mit dem Bus weiter über Pereira nach Manizales, wo wir eigentlich vorhatten, vier Tage zu verbringen. Doch schon der erste Eindruck der Stadt war nicht besonders toll. Als dann auch noch das Hostelpersonal unfreundlich war und das versprochene Frühstück doch nicht serviert wurde, haben wir einfach kurzfristig unseren Reiseplan umgeändert und sind gleich am nächsten Tag vorzeitig nach Medellín gefahren. Insgesamt waren wir also weniger als 24 Stunden in Manizales.

Dritte Station: Salento in der Kaffeezone vom 26. bis 29. Dezember


Mit dem Bus sind wir 6 Stunden über Nacht von San Gil zuerst nach Bogotá gefahren, wo wir morgens um 5 Uhr 2 Stunden auf einen Bus nach Salento warten mussten. In der Wartehalle des Busterminals in Bogotá war es so kalt, dass wir sogar unsere Handtücher aus den Rucksäcken hervorgesucht haben, um uns irgendwie warm zu halten. Und da Larissa und Julia schon so als Maria und Josef „verkleidet“ waren, haben sie die Chance genutzt und um uns mit einem improvisierten Krippenspiel die Wartezeit zu verkürzen =D.
Wir hatten die Info bekommen, dass die nächste Busstrecke von Bogotá nach Armenia (größere Stadt in der Kaffeezone) nur etwa 4 Stunden dauern würde. Leider saßen wir dann aber 10,5h im Bus, sind mehrere Pässe hoch- und auf der anderen Seite wieder heruntergefahren und unser Busfahrer wagte dabei einige unglaubliche Überholmanöver. Unterwegs konnte man auch einige Erdrutsche in den Bergen sehen, die ganze Teile der Straße weggerissen hatten, sodass nur noch eine Spur befahren werden konnte. Wir waren alle ziemlich fertig und verfroren, weil die Klimaanlage in den Bussen unverständlicherweise immer voll aufgedreht wird, sodass es ohne Decke wirklich ungemütlich ist und schlafen kann man erst Recht nicht wirklich gut.
Wenigstens dauerte die Fahrt von Armenia in das kleine 5000-Einwohner Dorf Salento nur noch eine Stunde und uns begleitete sogar ein Huhn im Bus.

Am 27. Dezember haben wir Gerrits Geburtstag mit einem super leckeren Müsli zum Frühstück gefeiert und sind dann mit einem Willy Jeep ins Cocora-Tal gefahren. Die Landschaft auf der Fahrt hat mich ein bisschen an „Pettersson und Findus“ erinnert. :) Im Tal angekommen ging es zu Pferd etwa 1,5 h über Stock und Stein und durch Flüsse durch den Berg hinauf. Die Gummistiefel, die wir bei unserem Hostel ausgeliehen hatten, waren sehr nützlich! Aber die Pferde taten mir wirklich sehr sehr leid, weil die Wege sehr schwer zugänglich waren und Larissas Pferd ist sogar bei einer Flussüberquerung gestürzt. Da haben dann auch keine Gummistiefel genützt, weil sie bis übers Knie im Wasser saß =P.
Nach den 1,5h eher weniger entspannten Ritt sind wir schließlich bei einer Kolibrifarm angekommen. Während wir auf einer Bank eine große Tasse heiße Schokolade tranken, konnten wir unzählige Kolibris beobachten, die einfach unglaublich schnell fliegen und im Flug stehen bleiben können.
In unseren super Gummistiefeln ging es dann weiter den Berg hoch zu einer weiteren Farm auf 2860m und von dort dann 5km in das Cocora-Tal hinunter.
In diesem Tal wächst die Wachspalme, die höchste Palmenart der Welt, die, glaube ich, bis zu 60m hoch wachsen können. Davon gibt es dort richtig viele und die sind wirklich gigantisch hoch.
Der Jeep brachte uns dann wieder zurück nach Salento in unser wunderschönes kleines Hostel Tralala. Der Ausflug war wirklich super schön und die Bewegung tat nach so viel Busfahren richtig gut.

Mit der Bewegung ging es am nächsten Tag gleich weiter, indem wir zu Fuß zu der Kaffeefarm von Don Elias gewandert sind. Don Elias ist ein uriger alter Mann mit Hut, der schon beinahe keine Zähne mehr hat und eine Finca cafetera betreibt. Für umgerechnet 2€ pro Person durften wir ihn auf eine Tour durch seine Kaffeeplantagen begleiten und haben viel über Kaffee gelernt. Zuerst haben wir Kaffeebohnen gepflückt (die frisch gepflückten Bohnen kann man wie Bonbons lutschen), dann die rote bzw. gelbe Schale entfernt. Unter einer Plane werden die Bohnen dann in der Sonne getrocknet.
Eigentlich verkauft Don Elias die getrockneten Bohnen dann so weiter, doch für den Eigenbedarf und seine Besucher röstet er auch ein Teil der Bohnen auf einem Herd, der noch mit Feuer geheizt wird. Der Duft von den frischgerösten Bohnen ist wirklich himmlisch. Von Hand werden die Bohnen dann gemahlen, um frischen Kaffee zu brühen.
Zum Abschluss unserer Tour haben wir mit Don Elias zusammen eine Tasse super starken Kaffee getrunken und jeder hat ihm ein Päckchen Kaffee abgekauft =).
Die Finca ist wirklich empfehlenswert, weil sie ziemlich abseitsliegt und wenig bekannt ist, also kein bisschen touristisch!