Sonntag, 25. März 2012

Kolumbianische Eigenarten


1) llamadas
Die meisten Kolumbianer (ich gehöre auch dazu) haben kein Guthaben auf ihrem Handy, da das je  
nachdem wie viel man auflädt schon nach drei Tagen wieder verfällt. Um trotzdem telefonieren
zu können, gibt es die sogenannten llamada-Stände. Das sind einfach Personen, die viele Handys haben (meistens sind die Handys alle mit Ketten oder Schnüren alle miteinander verbunden) und Anrufe an die verschiedenen Handynetze oder fijos (Festnetz) „verkaufen“. Pro Minute zahlt man zwischen 100 bis 200 Pesos (4 bis 8 Cent) und kommt dabei billiger raus als wenn man vom eigenen Handy anruft. Der Nachteil ist jedoch, dass man nie weiß, wer einen angerufen hat, weil es lauter unbekannte Handynummern sind.
     
2) Englisch
Die Kolumbianer sind ja nicht gerade für ihre guten Englischkenntnisse bekannt, aber sobald sich ihnen ein Ausländer nähert, ist es für sie beinahe Pflicht, ihren begrenzten Wortschatz anzuwenden. Dieser beschränkt sich jedoch meist auf die Worte: Hey you, woman, beautiful, Hello Kitty, friend, What’s your name. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass in den Augen der Kolumbianer einfach alle Ausländer „gringos“ (US-Amerikaner) sind.
Es ist immer lustig, wenn wir mit Farron unterwegs sind, die aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe hier gar nicht auffällt und sie deshalb immer auf Spanisch angesprochen wird. Da sie oft aber nichts versteht, springen dann entweder Larissa oder ich für sie ein und ernten immer wieder verdutzte Gesichter, da die „gringas“ Spanisch sprechen und die „colombiana“ Englisch.

3) Kopfnicken
Das Kopfnicken dient hier in erster Linie als ein „Herkommensbefehl“. Wenn dir jemand kräftig zunickt, möchte er, dass du zu ihm kommst. Diese Geste beherrschen schon die kleinsten Kinder und nicken mit sehr viel Bestimmtheit, was mich immer wieder zum Lachen bringt. Und wenn ich mal keine Lust habe, mich zu bewegen, dann nicke ich einfach energisch zurück =).

4) Längen- und Größenangaben
Wenn man hier zum Beispiel zeigen will, wie lang eine Plátano (Kochbanane, die größer sind als normale Bananen) ist, wird die Länge mit beiden Händen wie in Deutschland angezeigt. Stattdessen wird mit der einen Hand auf dem Arm der anderen Hand die Länge „abgemessen“. Dabei sind die Fingerspitzen immer der Startpunkt und von dort geht es dann soweit den Arm nach oben, wie man eben braucht,
Auch bei Größenangaben gibt es einen kleinen Unterschied, denn wenn man zeigen will, wie groß zum Beispiel ein kleiner Junge ist, wird die Höhe zwar wie in Deutschland normal vom Boden aus mit der Hand angezeigt. Doch die flache Hand muss dabei vertikal gehalten werden, denn mit der horizontalen Hand werden nur Tiere abgemessen. Jaja, man kann sich das Leben auch kompliziert machen =P.

5) Der Mund
Was ganz lustiges hier ist die Verwendung des Mundes für Richtungsangaben. Dabei wird der Mund ein bisschen nach vorne oben gekräuselt und damit dann in eine bestimmte Richtung gezeigt. Lippenlesen bekommt hier also eine ganz neue Bedeutung, wenn man entscheiden muss, ob der Mund nach rechts, links oder geradeaus gekräuselt wurde.

6)Körperbau
Das Smalltalk-Gesprächsthema Nummer 1 ist in Kolumbien der Körperbau einer Person. Oft folgt direkt nach der Begrüßung: Oh, du bist aber „flaca“ (dünn) oder „gordita“ (Dickerchen), so wie man in Deutschland übers Wetter redet (Hier wäre „Übers-Wetter-reden“ irgendwie ziemlich langweilig, weil es nicht viel Abwechslung gibt =P) Das Haupt-Charakteristikum einer Person ist immer ihr Körperbau. „Von welcher Person sprechen wir gerade?“- „Ach von der Dicken/der Dünnen/ von der, die in letzter Zeit zugenommen/abgenommen hat“. Das ist hier einfach nicht unhöflich. Auch die Kinder begrüßen einen zum Beispiel mit: „Seño, warum bist du immer noch so dünn?“ Gleich an unserem ersten Tag im Colegio wurden Larissa und ich von den Kindern damit konfrontiert. Und als „gordita“ (Dickerchen) zählt man schon ziemlich schnell. Auch das Schönheitsideal ist anders hier, denn eine wahre Kolumbianerin hat einfach ordentlich Kurven und die „costeños“ (Küstenbewohner) sind von ihrer Abstammung her etwas kräftiger gebaut. Erst in den letzten Jahren ist das Schönheitsideal aus den USA und aus Europa hier angekommen, aber hat zum Glück noch lange nicht überall Fuß gefasst =D.

7)Die Zeitangaben
Zum Schluss darf natürlich auch nicht der Zeitbegriff in dieser Auflistung fehlen. Zeitangaben sind nämlich immer sehr vaaage und auch keinesfalls verlässlich oder ernst zu nehmen. So kann „ahorita“ (gleich, jetzt, sofort) gleich-jetzt, gleich-nachher, gleich-später oder auch gleich gar nicht bedeuten. Und „hoy“ (heute) kann genauso heute wie „heute im Juni“ bedeuten =P.
Unsere Lehrerin Ethel kam nämlich mal an einem Samstag vor etwa zwei oder drei Wochen hier vorbei, weil sie eine Projektarbeit für ihr Studium über das Abwasser hier im Barrio San Francisco machen musste/wollte. Und sie meinte, sie müsse sich so beeilen, weil sie noch gar nicht weit gekommen ist und die Arbeit müsse heute fertig werden. Hugo hat dann gemeint: „Echt, heute-heute? Also genau heute an diesem Tag?“ – „Jaaa, heute im Juni. Ich muss mich also echt ranhalten.“ =P


Soo, das waren mal ein paar kolumbianische Eigenarten, die mir eingefallen sind. Mehr fallen mir gerade nicht ein, weil ich mich einfach schon sehr an die Menschen und ihre Kultur gewöhnt habe =).

Ansonsten haben wir hier immer noch ziemlich viel „brisa“ (Wind), sodass die Stühle alleine vom Tisch wegwandern. Vergangenen Samstag hat es aber anscheinend das erste Mal seit Mitte Dezember kurz geregnet. Tagsüber ist es meist heiß und nachts eher kühl, da es kaum bewölkt ist.
Seit dieser Woche gibt es jedoch schon an und zu bewölkte Tage. Bewölkt heißt aber nicht gleich kühl, da die Schwüle dann meistens drückender ist.

Letztes Wochenende waren Larissa, Julia und ich mal wieder in Barranquilla unsere Mentorin Marianella besuchen und haben es uns so richtig gutgehen lassen mit Shoppen, Pizza essen und Kino =).
So langsam geht auch schon das erste Schuljahrquartal zu Ende und ich bin mit meinen Kindern in der Klassenarbeitsvorbereitung. Es gibt leider zwei Kinder, Jimmy und Megan, die ziemlich schlecht in der Schule vor allem in Mathe und Lesen und Schreiben sind. Nicht einmal die Farben können sie sich merken. Ich hab auf alle möglichen Arten versucht ihnen die Zahlen beizubringen und verschiedene Lerntypen anzusprechen, aber so langsam komm ich an meine Grenzen. Vor allem arbeiten die Eltern öfters auch nicht mit mir zusammen, sondern eher gegen mich, wenn sie einfach die Hausaufgaben für ihre Kinder machen, weil sie keine Geduld haben. Ich hoffe einfach, dass sie die Klassenarbeit irgendwie meistern.
Lehrer sein ist echt nicht einfach! Ich würde so gerne mehr Zeit in die beiden investieren, aber auf der anderen Seite habe ich auch noch zwölf andere Kinder, die ziemlich gut in Mathe sind. Einen Unterricht so zu gestalten, dass er für alle anspruchsvoll, jedoch machbar und auch noch Spaß macht, ist jeden Tag aufs Neue eine große Herausforderung.
Jetzt ist es noch eine Woche Schule bis zu den einwöchigen Osterferien, in denen ich nochmal alles wiederholen kann. Am Freitag müssen die Klassenarbeiten zur Kontrolle beim Hugo abgegeben werden, denn direkt nach den Ferien beginnt die Klausurenwoche zum Abschluss des ersten Quartals.

Mooorgenabend schon kommt meine Schwester Kristina zusammen mit einem Schulkamerad und der Schwester von der Larissa =D. Ich freu mich schon riesig auf die zweieinhalb Wochen, in denen ich ihr meine kleine kolumbianische Welt zeigen kann. Wir haben die Tage ganz typisch deutsch schon durchgeplant und ziemlich vollgepackt und es wird bestimmt eine supertolle Zeit!
Macht’s gut und frohe Ostern =)

Sonntag, 11. März 2012

Einbrecher und Läuse


Hallo ihr,
wir haben gerade Sonntagmorgen, 6 Uhr  und ich sitze an unserem Esstisch und genieße es, für mich zu sein. Die Sonne ist schon vor einer halben Stunde aufgegangen, die Vögel zwitschern, Hunde bellen, die Musik bei unseren Nachbarn läuft immer noch (seit gestern Mittag) und die Straße ist auch schon ziemlich befahren.
Irgendwie habe ich das Ausschlafen verlernt. Unter der Woche klingelt mein Wecker sowieso immer schon vor 6 Uhr und am Wochenende, wenn man Wochenenddienst fängt das Putzen meistens so um 7 Uhr oder halb 8 an.

Um auf die Überschrift zurückzukommen: eine ganz normale ruhige Woche gibt es hier glaube ich gar nicht =P.
Freitag oder Donnerstagnacht vor einer Woche fand der erste Diebstahlt statt. Auf jeden Fall hat am Freitag eine Wellblechlamelle (ich weiß nicht, wie das auf Deutsch heißt, aber das Wörterbuch übersetzt das so =P)aus dem Dach der drei neuen Klassenzimmer gefehlt. Die Hunde haben in der Nacht auch ziemlich viel gebellt, aber ich hab mir nichts dabei gedacht, denn unser Gelände ist von einer Mauer mit Stacheldraht und Glasscherben umgeben. Das Problem ist aber, dass das neue Gebäude ziemlich nahe an der Mauer gebaut wurde und die Einbrecher dann einfach die Mauer mit einer Leiter oder einem Brett mit dem Dach der Klassenzimmer verbinden. Die Hunde können also nichts machen außer bellen.
Das Zimmer von Larissa und mir hat ein Fenster nach hinten, so dass man zwar nicht hinsieht, aber wenigstens die Hunde besser bellen hört. Deshalb wurde uns aufgetragen, nachts ein bisschen wachsam zu sein und Hugo zu wecken, falls etwas Außergewöhnliches passiert. Das hat dazu geführt, dass ich nachts bei jedem lauterem Hundegebell gleich wach war, aber immerhin wurde nachts nichts mehr gestohlen.
Aber dafür noch einmal nachmittags als nur Larissa, ich und Rosita da waren. Die Hunde waren aber bei uns vorne und haben deshalb auch nicht mitbekommen, was im hinteren Teil des Geländes passiert ist. Auf einmal standen jedoch zwei Polizisten an unserem Tor, weil sie anscheinend von Nachbarn benachrichtigt wurden, dass gerade bei uns Wellblechlamellen gestohlen wurden.
Niemand von uns drei wusste jedoch, welche Lamellen vorher schon gefehlt hatten und ob das eine Loch neu ist oder nicht. Naja, immerhin haben wir dann irgendeine Handynummer von der Polizei bekommen und gestohlen wurde seit dem auch nichts mehr. Hoffentlich bleibt das auch so, weil die Einbrecher über diesen „Weg“ jetzt Zugang zum gesamten Gelände haben.

Am Dienstag hat unsere liebe Hündin Mota zwei kleine süße Hundebabys auf die Welt gebracht =). Wir haben die Geburt erst in ein oder zwei Monaten erwartet und die Hundebabys sind auch sehr klein diesmal, aber alle drei sind fit. Sie lässt mich dieses Mal sogar hin und ich darf die Babys streicheln =D. Sie wohnt jetzt in einem der neuen Klassenzimmer, also ist wenigstens ein Hund immer hinten und passt auf.

Jetzt komme ich zu den Läusen =P :
Ein Gespräch beim Mittagessen letzte Woche waren die Läuse der Kinder bei uns in der Schule. Und wir haben darüber geredet, welche Anzeichen es dafür gibt. Ich hab dann nicht weiter darüber nachgedacht, bis mir am Abend irgendwann aufgefallen ist, dass meine Kopfhaut in letzter Zeit ziemlich oft juckt.
Am Mittwoch nach der Schule hat mich Margarita gleich untersucht und natürlich Läuse festgestellt. Wenn man die Läuse weder im Kindergarten noch in der Grundschule bekommt, dann musste ich sie halt jetzt mit 20 Jahren noch nachholen =P. Für die Leute hier sind Läuse aber eher alltäglich und nicht weiter schlimm.
Ich bin dann aber sofort losgelaufen zur Apotheke und hab mir zwei kleine Päckchen Läuseshampoo und einen Nissenkamm gekauft (hat alles zusammen 1€ gekostet). Ein Glück hatte jemand den Duscheimer zur Hälfte mit Wasser gefüllt, weil ich sonst bis zum Abend hätte warten müssen, da wir mal wieder kein Wasser hatten. Danach hab ich doch ein paar viele Läuse und Nissen rausgekämmt und das Kopfhautjucken hat gleich aufgehört =D. Jetzt kämme ich mir jeden Tag die Haare mit dem Kamm, aber schon am nächsten Tag habe ich nur noch ein paar Nissen gefunden und mittlerweile gar nichts mehr.
Was ich daraus gelernt habe: Ich dachte immer, Läuse zu haben, wäre wirklich schlimm und eklig, aber es ist keins von beidem. Außerdem wird man sie schnell wieder los (zumindest, wenn man so Haare hat wie ich. Bei den Kindern mit den ganz krausen Haaren ist es eigentlich unmöglich mit dem Nissenkamm durchzukommen.) Ich wurde sogar ausgelacht, weil ich meine Bettwäsche mit kochendem Wasser gewaschen habe =P.
Aber, ich werde meine Haare im Unterricht jetzt nicht mehr offen lassen, sondern immer zusammenbinden oder ein Kopftuch tragen!

So jetzt sollte ich mal mit Putzen anfangen,
ich wünsche euch noch einen schönen Sonntagnachmittag

Eure Anka

Samstag, 3. März 2012

Zwischenseminar und Bergfest


Unser Zwischenseminar vom 14. bis zum 18. Februar war wirklich klasse! Wir waren in einer Ferienanlage in einem kleinen Dorf in der Nähe von Barranquilla untergebracht mit Swimmingpool und dem Meer in Reichweite =). Es war wirklich entspannend und schön, mal weder kochen noch spülen noch putzen zu müssen und so konnte ich Kraft tanken für das nächste halbe Jahr.
Nach dem Zwischenseminar haben wir noch eine Nacht bei unserer Mentorin Marianella in Barranquilla verbracht bevor wir am Sonntagmittag wieder zurück nach Cartagena gefahren sind und der Alltag uns wieder eingeholt hat (meinen Unterricht für den nächsten Tag hatte ich nämlich noch nicht vorbereitet =P). 
Während meiner Abwesenheit waren nochmal fünf Kinder zur Transición hinzugestoßen, wobei zwei davon wirklich eine Herausforderung waren/sind und alle bisherigen „schlimmen“ Kinder bei weitem übertreffen. Howard, ein kleiner vierjähriger Junge, hat die gesamte Klasse tyrannisiert und mit seinen Schuhen beworfen, uns Lehrerinnen geschlagen und Lourdes, die Direktorin, gebissen. Bei einem Gespräch mit der Mutter stellte sich heraus, dass sie sehr überfordert mit ihrem Kind ist (die mit Zahnabdrücken übersäten Unterarme waren schon ein beeindruckendes Zeugnis). Letztendlich hat sie den Jungen dann von der Schule genommen und es wurde ihr zu einer psychologischen Behandlung geraten.
Keiner, der zweiten Problemfall ist nicht weniger schlimm (nur älter und größer, d.h. er hat auch noch mehr Kraft) und es ist auch noch nicht sicher, ob er bleiben wird oder nicht. Einerseits ist er jetzt schon Teil der Klasse, aber zu unterrichten, wenn er im Klassenzimmer ist, ist einfach kaum möglich. Keine zwei Sekunden bleibt er auf seinem Platz sitzen, macht keine Aufgaben, redet ununterbrochen, hört nicht zu und scheint auch einfach nicht zu verstehen, was man ihm sagt, egal auf wie viele verschiedene Arten man es versucht. Margarita und ich sind oftmals am Rande der Verzweiflung. Ich bin mal gespannt, wie es mit ihm weitergeht. Seinem Alter nach gehört er auf jeden Fall in die Vorschule, aber er verhält sich wie ein kleines Kind. Die Gespräche mit der Mutter haben auch nicht viel gebracht, weil sie selbst weder ein noch aus weiß.
Ansonsten liebe ich aber meine Klasse =D und wir haben sehr viel Spaß zusammen! Für ihre vier oder fünf Jahre ist es auch ganz verständlich, dass sie noch viel mehr Interesse am Spielen als am Stillsitzen haben und ich würde gerne viel mehr mit ihnen spielen, aber auf der anderen Seite ist mein Lehr- und Stundenplan, der nur eine halbe Stunde spielen pro Tag =(. Ich versuche jedoch, soweit es geht, meinen Lehrstoff spielerisch zu verpacken.
Im Sportunterricht hatte ich vor, den Großteil ihrer Energie schon gleich in der ersten Schulstunde zu verbrauchen, damit der restliche Tag etwas ruhiger verläuft, aber das Resultat war nur: eine ziemlich verschwitzte und fertige Anka und eine vierzehnköpfige Kinderschar, die nach mehr verlangt hat =P.
Der Lärmpegel während dem Unterricht ist einfach immer noch unvorstellbar, aber ich habe es mittlerweile halbwegs akzeptiert, dass die Kinder einfach aus einem Umfeld kommen, wo man sich nicht normal unterhält, sondern stattdessen nur herumgeschrien wird ( zum einen wegen der Musik, aber zum anderen auch einfach Gewohnheit und Kultur).
Ja, so gibt es wie bei jedem gute Tage, wo ich den Unterricht halten kann, den ich geplant und mühsam vorbereitet habe (es gibt nämlich kein Kopierer, d.h. ich muss alles immer 14x von Hand schreiben oder malen), aber auch nicht so gute Tage, wo ich mit Halsweh vom vielen „Für-Ruhe-sorgen“, Streit schlichten, alles tausend Mal erklären, weil mal wieder kein Mensch zugehört hat (und die Aufgabe dann von der Hälfte immer noch falsch gemacht wird) und ziemlich Kopfweh aus dem Klassenzimmer gehe =). Wenn ein Kind mir aber dann in dem Moment das Zahlenlied, das ich ihnen beigebracht habe oder das englische „Good morning“-Lied vorsingt oder mich ganz fest umarmt, muss ich doch jedes Mal wieder lächeln.

Nebenbei bin ich auch dieses Schuljahr wieder unfreiwillig als Schulkrankenschwester tätig und es gab auch schon mehrere Verletzungen wie Platzwunden, dicke Beulen und diverse andere Wunden zu verarzten. Auch wenn ich in dem Gebiet nicht sehr viel Ahnung hab, verschafft mir meine rote Betaisodonasalbe doch ganz schön Respekt =P.

Letztes Wochenende hat in Cartagena das „Festival Internacional de Cine de Cartagena“ (Internationales Kinofestival) begonnen. Während dieses Festivals werden in allen Kinos der Stadt besondere Filme gezeigt und der Kinoeintritt ist gratis!! Außerdem liefen die ganze letzte Woche auch im Zentrum auf verschiedenen Plätzen Filme unter dem Sternenhimmel mit Popcorn und Getränk ebenfalls alles umsonst. Das haben wir natürlich ausgenutzt und auch einige sehr gute Filme gesehen. Aber das Highlight des Festivals war für mich ein Jazz-Benefizkonzert auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff im Hafen von Cartagena. Julia, eine Mitfreiwillige, hat uns drei über Beziehungen auf die Liste der geladenen Gäste setzen lassen und so durften wir einfach so einen super Samstagabend auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen =D.

Uuuund am Freitag (02.03.12) habe ich die Halbzeit meines Kolumbienjahres mit Larissa und Julia gefeiert und wir haben uns einen alkoholfreien Cocktail im Café del Mar auf der alten Stadtmauer gegönnt Blick über die Altstadt und aufs Meer =D.

Nach dieser vollen Woche bin ich jetzt ganz froh, dass ich Wochenenddienst habe und gar nicht weggehen darf. So kann ich mal wieder Wäsche waschen (Jippiieeh =P) und Unterricht planen und vorbereiten und Blog schreiben =).

Sonntag, 12. Februar 2012

Viel los im Colegio


Während unseres Urlaubes hatte sich im Colegio doch einiges verändert. Ich hatte mir einen ruhigen Wiedereinstieg vorgestellt, doch als wir am 9. Januar abends in San Francisco ankamen, war das Haus sozusagen ziemlich voll. Zum einen „verbrachte“ eine vierköpfige Familie aus Bogotá mit einem Cousin und einem älteren Mann ihre Ferien im Colegio, um drei neue Klassenzimmer für unsere Schule zu bauen. Außerdem wohnte ein Cousin von Lourdes in der neuen Bibliothek, um ebenfalls zu helfen und Lourdes Bruder mit Frau, Schwägerin und kleinem Kind waren für 2 Tage zu Besuch. Hugo war mit seiner elfjährigen Tochter mittlerweile auch aus Perú wieder zurückgekehrt. Das Haus war also voll.
Die zweite Veränderung war, dass unser Welpe Fiona kurz vor unserer Rückkehr verschenkt worden war =( und mein Lieblingshund von dem anderen halbtot gebissen wurde. Der arme war nur noch ein Häufchen Elend mit vielen Wunden und einem riesigen Loch im Hals, wo 20 Würmer herausgezogen wurden und sich die ganze Hautschicht vom Hals abgelöst hatte. Er musste insgesamt über einen Monat eingesperrt in einem Klassenzimmer verbringen und die Wunde ist bis heute noch nicht wieder ganz zugewachsen. Am Anfang sah er so schlimm aus, dass ich seinen Anblick kaum ertragen konnte, aber mittlerweile hat er wieder bisschen zugenommen und wenigstens ist die Haut wieder angewachsen =).
Sogar das Klima hatte sich in den 3,5 Wochen verändert. Die Luftfeuchtigkeit war kaum noch zu spüren und der Himmel tagsüber und auch nachts fast immer klar. Die Sonne war deshalb ziemlich stark, aber dafür hat es nachts auch abgekühlt und ich bin morgens immer mit Vliesjacke aufgestanden =P.

Mit Sergio, Lourdes Cousin, haben wir dann Wandfarbe in den Klassenzimmern abgespachtelt und neu gestrichen, Tische und Stühle geputzt und andere Tische abgeschliffen und neu gestrichen. Außerdem waren Larissa und ich für das Essen zuständig und haben deshalb jeden Tag mindestens drei Stunden in der Küche verbracht.  Kurz nachdem Lourdes Bruder abgereist war, kam Lourdes Vater aus Barranquilla für ein paar Tage zu Besuch und hat angefangen, unsere riesige überwucherte Wiese mit der Machete zu mähen und dann Stück für Stück abzubrennen. Er ist ein großer, schlanker Mann mit von der Sonne gegerbter Haut, der immer seinen Hut trägt und ziemlich eigen ist, aber trotzdem sehr sehr nett ist und uns jeden Morgen in der Küche ein Lied gesungen hat =P.
Mit ihm und dem älteren Mann aus Bogotá haben wir lange Abende mit Dominospielen verbracht. Domino ist in Kolumbien so etwas wie ein Volksspiel, das an jeder Straßenecke hauptsächlich von Männern gespielt wird. Aber für die älteren Männer ist es viel mehr als ein Spiel. Es wird diskutiert, die Spielsteine werden auf den Tisch gehauen und wenn man verliert, sind natürlich immer die anderen oder das Dominospiel oder was auch immer Schuld, aber nie man selber. Erst recht nicht, wenn man gegen eine Frau verliert =P.
Nach ihm kam dann Lourdes Mutter mit zwei ihrer Enkelinnen für ein Wochenende. Es war also immer was los =)

Die vierte große Veränderung war Farron. Mitte Januar kam Farron aus Chicago für 6 Monate zu uns in die Schule, um hier zu helfen. Die ersten eineinhalb Wochen schlief sie bei uns im Zimmer, wo es mit einem dritten Bett doch ziemlich eng wurde. Aber nachdem die Familie aus Bogotá Ende Januar nach Fertigstellung des Rohbaus der neuen Klassenzimmer abgereist war, konnte sie in das Zimmer umziehen, das wir ganz zu Beginn bewohnt hatten. Mit Farron ist es allgemein nicht ganz so einfach, weil sie im Gegensatz zu ihren Behauptungen kaum Spanisch spricht (und wenn dann mit so einem starken amerikanischen Akzent, dass es weder Erwachsene noch Kinder verstehen) und zum anderen kommt sie mit den einfachen Verhältnissen, in denen wir hier leben, nicht gut klar. Sie scheint einen ziemlich heftigen Kulturschock zu haben, aber es wird langsam ein bisschen besser.

In der letzten Januarwoche fingen dann die Vorbereitungen für das neue Schuljahr an, das am 2. Februar begann. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich zwar nur ca. 50 Kinder angemeldet und genügend Lehrer hatten wir auch noch nicht. Aber es kamen zwei neue Lehrerinnen dazu, die vor Energie und neuen Ideen nur so übersprudeln (wär schon cool, wenn auch nur ¼ der Ideen umgesetzt werden würden) und echt viel Zeit investieren.
Eine der zwei ist Musik- und Kunstlehrerin und will sogar einen Schulchor aufbauen =D. Ich mag unser neues Lehrerteam und freu mich schon auf die Zusammenarbeit!
Ich darf dieses Schuljahr wieder in der Transición unterrichten und bin für die Fächer Mathe, Musik und Englisch (vielleicht auch noch Kunst) zuständig. Larissa ist die neue Sport- und Englischlehrerin für die Klassen 1 bis 5.
Entgegen der angemeldeten 5 Kinder (ich hatte mich schon echt über eine kleine Gruppe gefreut =P) kamen am ersten Schultag doch doppelt so viel und drei weitere sollen noch folgen. Der Großteil der Kinder ist erst 4 Jahre alt und noch eher im Spielalter, aber ich gebe mein Bestes, dass sie am Ende des Schuljahres bis 100 zählen können und einige Worte Englisch sprechen.
Gerade bin ich am Lehrplan erstellen, weil das jeder Lehrer für sich und sein Fach selbst machen muss. Ich finde es ein bisschen schwer, einzuschätzen wie viel Lehrstoff die Kinder in den 40 Schulwochen lernen können, aber es wird schon irgendwie gehen. Ziemlich viel Verantwortung dafür, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin. =P
Aber meine ersten beiden Mathestunden diese Woche verliefen echt gut und die strahlenden Gesichter, wenn die Kinder merken, dass sie am Ende der Stunde eine Null und eine Eins alleine schreiben können, gleichen die Vorbereitungszeit wieder aus =D. Und in der ersten Englischstunde mit Willy, dem Raben (eine englischsprechende Handpuppe) haben sich die Kinder schon auf Englisch vorgestellt, auch wenn die meisten sich nur getraut haben, es dem Raben ins Ohr zuflüstern =).
Jeden Schultag werde ich gefragt, wo mein Vogel heute ist. Hihi

Zum Schluss komme ich nochmal auf Rosita zurück, die ist nämlich gerade auch ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Colegio. Hugo und Lourdes sind richtig glücklich, sie hier zu haben und machen viel als Familie zusammen, wobei Larissa und ich auch in die Familie aufgenommen worden sind =). Für mich ist Rosita eine kolumbianische Naemi, die in meinem Bett sitzt und Handy spielt, mir Frisuren macht, viel redet und viel Kontakt sucht und gerne Larissa und mich als große Schwestern hätte =).

Sooo, jetzt seid ihr mal wieder auf dem neuesten Stand =). Jetzt bin ich schon fast ein halbes Jahr in Kolumbien und deshalb findet nächste Woche von Dienstag bis Sonntag unser Zwischenseminar für alle kolumbianischen Freiwilligen in Barranquilla statt.

Ganz liebe Grüße



Mittwoch, 1. Februar 2012

Sechste und letzte Urlaubsstation: Santa Marta vom 7. bis zum 9. Januar


Kurz nachdem wir unsere Tickets für die Fahrt von Medellín nach Santa Marta am Busterminal gekauft hatten, haben wir erfahren, dass in der Nacht davor anscheinend irgendwas auf der Busfahrt schiefgegangen sein soll. Ziemlich beunruhigt bin ich dann in den Bus für die 15stündige Fahrt eingestiegen. Den größten Teil der Reise hab ich dann aber ganz friedlich verschlafen bis kurz nach einem Stopp in Barranquilla (etwa 1,5 h vor dem Ziel Santa Marta) meine Gepäckstücknummer aufgerufen wird. Der Busfahrer teilte mir dann freundlich mit, dass ein älterer Herr meinen schwarz-roten Rucksack mit seinem roten Rucksack in Barranquilla verwechselt hat (dass er selbst verbockt hatte, die Gepäcknummerzettel zu vergleichen, hat er natürlich nicht erwähnt) und der Rucksack deshalb in Barranquilla geblieben ist. TOOOOLL. Aber das wäre ja natürlich überhaupt kein Problem, den Rucksack würde ich noch am selben Abend wiederbekommen. JAAJAA
In Santa Martha am Terminal wollte ich dann eine Sicherheit, dass ich ihn wirklich wiedersehe und ich habe zwei Telefonnummern bekommen, wo ich abends um 6 Uhr anrufen sollte, um dann den Rucksack abzuholen, der mit dem nächsten Bus geschickt werden sollte. (Das Geld für die Taxifahrt hab ich mir natürlich auch von dem Busfahrer geben lassen, das er widerwillig aus eigener Tasche gezahlt hat.)
Den Nachmittag verbrachten wir trotzdem am Strand in Taganga, einem kleinen Fischerdorf. Da ich nur lange Kleidung dabei hatte, bin ich halt in Unterwäsche und mit Larissas bisschen weiter Shorts baden gegangen =P.
Gegen Abend rief ich dann mehrmals auf beiden Nummern an, aaaber ging natürlich keiner dran. Also sind Larissa und ich losgezogen um persönlich nach dem Rucksack zu fragen. Wie zu erwarten war, war von diesem jedoch keine Spur. Nach ein wenig Druck auf die Ticketverkäuferin am Schalter rief sie in Barranquilla an und bekam heraus, dass der Rucksack noch dort stand, aber mit dem Bus um halb 9 Uhr abends losgeschickt werden sollte. Ich gab ihr meine Handynummer, damit sie dann um 11 Uhr abends anrufen sollte, wenn er da ist. (Ich hätte ihn dann aber erst am nächsten Morgen abholen können).  Leeeider kam kein Anruf und am nächsten Morgen ging immer noch keiner ans Telefon. Die Nacht hatte ich ziemlich schlecht geschlafen, denn meine Hoffnung schwand mit jeder Stunde und ich wütend war ich auch.
Um 9 Uhr morgens bin ich dann alleine zum Terminal gefahren (mittlerweile war das Taxigeld schon lange aufgebraucht) und am Schalter der Busgesellschaft hatte keiner eine Ahnung. Das hat dann aber das Fass zum Überlaufen gebracht und ich bin ein bisschen ausgerastet. Mir war so egal, was die Leute von mir dachten, Hauptsache ich bekam meinen Rucksack wieder. Ich wurde von einer Person zur nächsten gereicht, bis ich einem Mann mal ganz deutlich gesagt hab, dass er sofort in Barranquilla anrufen sollte. Aber dort war mein Rucksack nicht mehr. AHHHHH Ich bin dann heulend an der Tür zum Büro stehen geblieben, um genau mitzubekommen, was er sagt und wie sich die Sache entwickelt. Ihm war das sichtlich unangenehm und er wollte mich immer wieder ins Wartezimmer abschieben, aber sobald ich außer Sichtweite war, haben die einfach aufgehört sich darum zu kümmern. Nach tausenden Telefonaten ist er dann einfach verschwunden und kam nicht wieder.
Ich bin dann einfach zur nächsten Schalterdame gegangen vor allen anderen Kunden und hab gemeint, ich will auf der Stelle wissen, was los sei. Nach 2 Stunden hatten sie dann mal herausgefunden, dass der Rucksack mit dem Bus aus Barranquilla am Vorabend mitgeliefert, bloß aufgrund der Unfähigkeit des Busfahrers nicht in Santa Martha ausgeladen wurde, sondern einfach bis nach Maicao (4-5Stunden von Santa Martha Richtung Venezuela) mitgereist ist. Zum Zeitpunkt des Telefonats befand er sich also im Büro der Busgesellschaft in Maicao und der nächste Bus fuhr erst um 1 Uhr nachmittags wieder nach Santa Martha. Die Frau hat mir dann einfach so gesagt, ich solle um 5 Uhr nachmittags wiederkommen. Da bin ich dann nochmal bisschen mehr ausgerastet und hab gemeint, entweder mir wird jede einzelne Taxifahrt bezahlt oder der Rucksack wird mir ins Hostel geliefert und ihre Handynummer wollte ich auch. Dann bin ich gegangen, um den Tag mit den anderen am Strand von Santa Martha zu verbringen.
Und tatsächlich hat sich mein ganzes Theater gelohnt, denn um 16 Uhr rief der Mann von der Busgesellschaft an, um zu sagen, dass er den Rucksack hat. Um kurz vor 17 Uhr wurde er mir dann persönlich ans Hostel geliefert!!! Ich war sooo glücklich. Der Hostelbesitzer hat sich die ganze Zeit lustig über mich gemacht, weil ich ein mega Grinsen auf dem Gesicht hatte =D.
Das musste natürlich gefeiert werden, da es auch gleichzeitig der letzte Abend unseres Urlaubes waren und deshalb sind wir Kokosreis, Patacón und Fisch essen gegangen.
Den nächsten Vormittag konnte ich nochmal gaaanz entspannt und im Bikini und mit Handtuch am Strand in Tanganga verbringen und die Karibik genießen.
Am 9. Januar haben Julia, Larissa und ich nachmittags die letzten vier Stunden wieder zurück nach Cartagena zurückgelegt, während Doreen und Gerrit weiter in den Tayronapark gezogen sind.
Es war wirklich ein klasse Urlaub und wir haben wahnsinnig viel erlebt, viele Leute kennengelernt und gaaanz viel gesehen =) Die Zeit wird unvergessen bleiben.

Im Nachhinein haben wir auch erfahren, was in der Nacht vor unserer Busfahrt passiert ist: Der Bus von Medellín nach Santa Marta wurde von der Guerilla überfallen, der Busfahrer ermordet und der Bus ausgebrannt.
Außerdem gab es anscheinend in Santa Marta die letzten zwei Tage bevor wir angekommen sind einen Streik, der von Paramilitärs ausgerufen wurde. Sie hatten angedroht, jeden zu ermorden, der seinen Laden öffnet oder z.B. Taxi fährt. Es herrschte also absolute tote Hose in Santa Martha.
Zum Glück hab ich das alles erst danach erfahren!! Unsere spontane Urlaubsplanänderung war also wirklich auf den Tag perfekt geplant gewesen =P