Samstag, 14. Januar 2012

24 Tage, 6 Städte, 2 Stunden Flug, über 52 Stunden im Bus


Wichtigste Begleiter: 
Vliesjacke, Schal, Icebreaker-Shirt, Regenjacke, gute Schuhe, Föhn, Nähzeug, Foto, Spontanität, Resistenz gegen Reiseübelkeit, gutes Zahlengedächtnis (Hosteladressen auswenig lernen), Orientierungssinn (ich bin wirklich besser geworden!), Geduld!! (die braucht man überall in Kolumbien :P)


Jaaa, ich bin nach 3 Wochen auf Kolumbien-Reise wieder heile und ohne dass mir irgendwelche Sachen abhandengekommen sind in Cartagena angekommen und habe seeeehr viel zu erzählen  und auch einiges an Bildern :) Kolumbien ist so unglaublich groß und vielfältig und verschieden. Es war wirklich spannend zu entdecken, wie unterschiedlich jede Region ist.
Deswegen werde ich den Blogeintrag ein wenig untergliedern. Dann müsst ihr nicht warten bis ich den gesamten Bericht geschrieben habe, sondern könnt von Station zu Station lesen.

Erste Station: Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens

Am 27. Dezember war es endlich soweit und Larissa, Julia und ich konnten morgens um 8 Uhr ins Flugzeug nach Bogotá steigen. Wie schon befürchtet war es Flugzeug im Vergleich zu heißen Cartagena-Klima so kalt wie in einer Gefriertruhe. Man konnte sogar die Luft, die aus der Klimaanlage kam, kondensieren sehen. Unglaublich. Aber wenigstens gab es immerhin einen Snack, obwohl der Flug nur 2 Stunden gedauert hat und dann noch einer von Juan Valdez (so etwas wie Starbucks und genauso teuer, aber superlecker). Es gab bis auf die Kälte also nichts zu beklagen :)
Die Kälte sollte leider für die nächste Zeit mein ständiger Begleiter sein, denn Bogotá liegt auf etwa 2.600m in den Anden und es herrschte eine Eiseskälte (zwischen 15 und 20 Grad :P). Auch die Luftfeuchtigkeit ist viel geringer als im karibischen Cartagena und ich bekam auf einmal ganz trockene Haut und musste mich mehrmals am Tag eincremen.
Beim Landeanflug auf Bogotá hatte ich echt das Gefühl ich lande in der Schweiz, weil es um Bogotá herum einfach aussieht wie in der Schweiz :D
Bogotá an sich ist leider ziemlich hässlich. Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann würde ich sagen, es ist zusammen mit Manizales die hässlichste kolumbianische Stadt.
Zusammen mit Gerrit, Doreen (Freiwillige, die in der Nähe von Bogotá arbeiten) und Felix (Freiwilliger aus Medellín) waren wir in einem Backpacker-Hostel in der Altstadt La Candelaria mit Leuten aus der ganzen Welt untergebracht. Gespräche wurden deshalb hauptsächlich auf Englisch geführt, aber auch mein Französisch konnte ich aus den hintersten Ecken meines Gehirns wieder hervorkramen.

In der Altstadt haben wir am selben Tag dann noch den Präsidentenpalast von außen angeschaut, der an den Simon Bolívar-Platz grenzt und ein Besuch im Botero-Museum durfte natürlich auch nicht fehlen.

Für den nächsten Tag hatten wir die Wanderung auf den Monserrate, einen 3150m hohen Berg mit einer Kirche, die von vielen Pilgern besucht wird, geplant. Nachdem wir uns aber schon auf dem Hinweg zu dem Fuß des Berges verlaufen hatten, war die Zahnradbahn doch eine sehr verlockende Option. Von der Zahnradbahnstation musste man dann trotzdem noch ein Stück den Berg hochkraxeln. (Entweder lag es an unserer fehlenden Kondition nach über 3 Monaten ohne Sport oder der Sauerstoffmangel war spürbar, auf jeden Fall waren wir alle ziemlich fertig da oben :P)
Vom Monserrate hat man eine super Aussicht über Bogotá. Die 8-Millionen-Stadt ist einfach riesig. Leider hatten wir bisschen Pech mit dem Wetter in Bogotá mit viel Regen und Nebel, deswegen sind die Fotos auch etwas vernebelt geworden.

Da das berühmte Goldmuseum in Bogotá ausgerechnet montags geschlossen hatte, sind wir einfach ins Polizeimuseum gegangen, was wirklich sehr interessant (und sogar kostenlos) war. Unser Führer war ein junger Polizist, der uns auch viele Sachen erzählt hat, die er nicht einfach so hätte erzählen dürfen, aber da er nur noch 1 Monat dienen musste, war es ihm egal.
Alle jungen Männer müssen einen solchen einjährigen bzw. zweijährigen, wenn man keinen Schulabschluss hat, Dienst entweder bei der Polizei, beim Militär oder bei der Marine ableisten.
Die Polizeiausbildung findet zu Rammstein-Musik statt und ist ziemlich hart. Er selbst wurde beim Kampf gegen die Guerilla von einer Granate verletzt und wurde deshalb nach Bogotá versetzt. Von seiner 15-köpfigen Gruppe, die mit ihm den Dienst geleistet hat, leben nur noch 3 Leute.
In Bogotá und auch in vielen anderen Städten wimmelt es einfach nur so von Polizisten, die den ganzen Tag irgendwo herumstehen und scheinbar nichts zu tun haben. Das haben wir natürlich ausgenutzt und die Polizei einfach kurzerhand in „Touristenführer“ umgetauft, weil sie uns immer bereitwillig und ausführlich den Weg zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten erklärt hat. Also lieber Polizei fragen, bevor sich die Uneinigkeit über den richtigen Weg in eine endlose Diskussion ausweitet und man sich am Ende doch verläuft.
Den letzten Abend in Bogotá haben wir im alternativ-angehauchten Stadtviertel Usaquén im Norden von Bogotá verbracht, wo zum ersten Mal in Kolumbien ein wenig Weihnachtsstimmung aufkam :D Der Park von Usaquén ist zur Weihnachtszeit nämlich wunderschön beleuchtet und dekoriert mit einem Sternenhimmel uuuuund KUNSTSCHNEE. Zu jeder vollen Stunde schneit es Schaumschnee von oben. Hihi. Da fühlt man sich beinahe wie auf einem deutschen Weihnachtsmarkt =P (Aber wirklich nur beinahe).
Der Abend war ein schöner Abschluss, denn länger als 3 Tage in Bogotá zu verbringen, ist nicht sehr empfehlenswert, weil es einfach nicht besonders viel zu sehen und noch sehr viel schönere Orte in Kolumbien zu entdecken gibt. Wir waren also bereit für die nächste Station =)

Freitag, 16. Dezember 2011

Urlaubsstress


In der letzten Zeit war irgendwie doch ziemlich viel los, auch wenn kein Unterricht mehr stattgefunden hat. Da ich am Samstag für drei Wochen auf Kolumbienreise gehen werde, fange ich einfach mal mit unserer „Urlaubsplanung“ an.
Nach unserer ursprünglichen Planung wollten wir die erste Januarwoche in Leticia am Amazonas (Grenze zu Perú und Brasilien) verbringen und haben im Oktober schon den Flug gebucht. War also alles schon fest geplant bis dann Anfang November der Anführer der kolumbianischen Guerilla FARC vom Militär ermordet wurde. Daraufhin hat nämlich die FARC Rache angedroht und da das Amazonasgebiet ziemlich unzugänglich ist und sich die Guerilla dorthin zurückgezogen hat, wurde uns verboten dorthin zu reisen. Das Amazonasgebiet ist an sich sehr groß und Leticia soll eigentlich sehr sicher sein, weil es einen Militärstützpunkt vor Ort hat. Aber man weiß nie, was die Guerilla plant.
Also haben wir unseren Urlaub einfach komplett umgeplant. Das Problem war jetzt bloß noch, dass die Flüge schon gebucht waren. Auf der Internetseite von „aires“(dort habe ich die Flüge für Larissa, Julia und mich gebucht) gab es aber die Möglichkeit, Flüge umzubuchen. Leider wurde „aires“ genau an dem Tag, an dem ich umbuchen wollte, an eine andere Fluggesellschaft (LAN) verkauft und somit gab es auch die Internetseite nicht mehr. Auf der Seite von LAN konnte ich zwar unsere Flüge sehen, aber ein Umbuchen war nicht mehr möglich. Daraufhin haben wir im Telefonbuch die Adresse des nächsten Aires-Büros herausgesucht und sind nach Bocagrande (gehobenes Viertel von Cartagena), um entweder die Flüge stornieren oder umbuchen zu lassen. Dort angekommen war weit und breit kein Büro von aires in Sicht und auf Nachfrage wurde uns mittgeteilt, dass das Büro schon vor längerer Zeit geschlossen worden war.
Immerhin haben wir herausgefunden, dass ein LAN-Büro mehr oder weniger in der Nähe zu finden war. Mit den Adressen in Kolumbien ist das immer so eine Sache: Eine Adresse besteht immer aus drei Zahlen. Die erste Zahl gibt die Straße an, in der sich das Haus befindet. Die zweite Zahl gibt die Querstraße an, die dem Haus am nächsten ist und die dritte Zahl steht für die Schritte, die man von der Kreuzung mit der Querstraße gehen muss bis man am Haus angelangt.
Zum einen ist das ganz cool, weil man sich keine Straßennamen merken muss. Aber die Nummerierung der Straßen ist nicht immer so ganz logisch durchgeführt worden, was zu manchen Verwirrungen führt und selbst Taxifahrer finden nicht unbedingt jede Adresse.
Aber wir haben das LAN-Büro glücklicherweise problemlos zu Fuß gefunden. Die Angestellten waren sehr freundlich und waren bereit, den Flug ohne Umstände in einen Flug Cartagena-Bogotá umzubuchen. Die Differenz zwischen den beiden Flügen bekamen wir als Restguthaben bei der Airline gutgeschrieben.
Aufgrund der Umstellung von aires auf LAN, die erst vor einem Tag stattgefunden hatte, war die Sache nicht ganz so einfach durchzuführen. Julias Ticket wurde als erstes bearbeitet und alles verlief wie am Schnürchen, weil noch eine Frau von aires im Büro anwesend war, die die ganzen Codes kannte. Diese musste dann aber zum Flughafen gehen und das Chaos ging los. Bei der Bearbeitung meines Tickets hat sich dann zunächst der Computer aufgehängt, danach das gesamte System und zuletzt der Ticketdrucker. Es ging also gar nichts mehr =P
Mittlerweile war Larissa und mir wegen der Klimaanlage so kalt, dass wir immer abwechselnd vor die Tür gegangen sind, um wieder ein bisschen aufzutauen.
Nach mehreren Anrufen bei der Airline-Hotline (wobei sie die meiste Zeit in der Warteschleife hing) konnte sich dann schließlich einer in ihren Computer einhacken und versuchen das Ding wieder zum Laufen zu bringen. Als dann endlich nach 4 Stunden! mein Ticket aus dem Drucker kam, hat das ganze Büro gejubelt. Larissas Ticket konnte dann auch ohne Probleme gedruckt werden und wir konnten endlich den „Kühlschrank“ wieder verlassen.

Von Donnerstag bis Sonntag hatten wir Freiwillige aus Cartagena/ Bocachica unser Mentorentreffen in Barranquilla (2 Stunden mit dem Bus) im Haus von Marianella, unserer Mentorin. Sie unterrichtet Deutsch an der Universität Atlántico in Barranquilla und hat uns mit in die Uni genommen, um uns ihren Studenten vom 2. und 6. Semester vorzustellen. Die Studenten haben uns dann das Universitätsgelände gezeigt, was wirklich riesig ist und nachmittags gab es eine kleine Stadtführung.

Es war auch mal wieder sehr schön, kleine Kinder herumzutragen und in den Schlaf zu schaukeln =) Hier gibt es nämliche eigentlich in fast jedem Haus mindestens einen Schaukelstuhl und die sind seeeehr bequem.

Ab Montag waren wir dann nur noch zu dritt im Colegio, weil diese Woche ein Seminar für die Leiter aller Projekte von unserer Organisation auf Bocachica stattfindet.
Die Woche hatte ich mir eigentlich sehr entspannt vorgestellt, aber es gab so viele Dinge zu erledigen, dass es eher ziemlich stressig war.
Da war zu sechst bzw. später dann nur noch zu fünft verreisen werden, musste ich die Hostels alle im Voraus  buchen und bei zwei auch eine Anzahlung leisten. Es war also viel Herumtelefonieren nötig und zwei Mal musste ich zur Bank, um Geld auf das Hostelkonto zu überweisen und heute muss ich nochmal in die Stadt, um die Anzahlung bei einem Hostel in Cartagena für ein Hostel in San Gil zu leisten. Aber jetzt steht unser Urlaubsplan wenigstens fest und ich bin mal gespannt, ob wir den auch so einhalten können =P
Am Mittwoch hat uns leider unsere geliebte Alejandra für immer verlassen und wir waren sehr traurig (sind es immer noch, weil sie wirklich eine gute Freundin geworden ist)!
Viel Zeit zum Verabschieden blieb leider auch nicht, weil am Mittwochnachmittag die ganze Leitergruppe aus Bocachica im Colegio zu Besuch war und alles deshalb tiptop sauber sein musste.
Aber es war wirklich mal ganz interessant die Leiter von unseren Mitfreiwilligen in Perú, Argentinien, Medellín und Bogotá kennenzulernen.
Gegen Mittag erhielten wir auch noch einen Anruf, dass am Donnerstag unsere Schule von Bienestar Familiar besichtigt wird. Die Kinder bekommen von uns ja jeden Tag Milch und Kekse, die von Bienestar Familiar verteilt werden und die wollten kontrollieren, wie wir mit der Milch und den Keksen umgehen. Deshalb mussten wir also nochmal alles gründlich putzen und Lourdes hat dann auch die Nacht auf Donnerstag hier übernachtet.
Am Donnerstagmittag kam ein zweiter Anruf von Bienestar Familiar, dass sie doch nicht kommen können =P Jetzt kommen sie halt irgendwann unangekündigt, aber hoffentlich, wenn wir im Urlaub sind!
Lourdes ist dann wieder zurück auf die Insel und Larissa und ich sind jetzt ganz alleine im Colegio, da sie erst Samstagmittag wieder zurückkommen kann und wir schon morgens um halb 9 Uhr nach Bogotá abfliegen.
Jetzt muss nur noch der Koffer gepackt werden und dann kann es losgehen =D! YEEEEY

Ich wünsche euch ein ganz tolles Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr im kalten Deutschland =)
Ich vermisse den Schnee schon ein bisschen!!
(Hier hat es gerade nur 26°C wegen dem Regen und ich hab mich richtig erkältet =P)

Bis im neuen Jahr!
Eure Anka

Samstag, 3. Dezember 2011

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu

Hallo ihr =)
Die Klausuren sind mittlerweile schon lange geschrieben und auch korrigiert. Seit dem 26. November haben die Kinder auch keinen Unterricht mehr, denn das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Meine Englischklausuren für die Transición fielen ziemlich gut aus, was mich sehr gefreut hat!
Auch wenn die Kinder keine Schule mehr hatten, hieß das noch lange nicht, dass die Lehrer frei hatten. Am 28. Und 29. November haben wir lange Stunden in der Bibliothek mit einer „Autoevaluación“ (Selbstbewertung) der schulischen Einrichtung, die vom Staat vorgeschrieben ist, verbracht. Alle möglichen Aspekte (Direktion, Lehrer, Gebäude usw.) mussten mit einer Skala von 1 bis 10 von jedem bewertet werden. Eine ziemlich langweilige Angelegenheit (hab mich wie in der Schule gefühlt), deshalb hat Larissa nebenher versucht herauszufinden, wie Tage, Monate, Jahre und Jahreszeiten entstehen. Als Hilfsmittel dienten Radiergummis, Papiere, Stifte und ein Miniglobus, den wir in der Bibliothek gefunden haben. Ich hab währenddessen irgendwelche Englisch-Grammatik-Bücher gelesen und der Merly die deutsche Aussprache erklärt =P. Eigentlich waren wir genauso schlimm wie unsere Schüler, bloß dass wir im Gegensatz zu ihnen sowas heimlich und leise machen können!
Da die Margarita am 28. November Geburtstag hatte und wir es eigentlich alle vergessen haben, wurden am folgenden Tag einfach alle Geburtstage des vergangenen Vierteljahres mit einer (gekauften) Torte, CocaCola und vielen Geburtstagsliedern nachgefeiert =D

Für den ersten Dezember war die „Clausura anual“ angesetzt, wo die Kinder nochmal für 3 Stunden in die Schule kommen, um das Schuljahresende ein bisschen zu feiern und die zwei besten Schüler jeder Klasse sollten ihr Lob und einen kleinen Preis erhalten. Doch die Aktivität fiel buchstäblich ins Wasser (die Regenzeit ist leider immer noch nicht zu Ende, aber die Abstände zwischen den Regengüssen werden immer größer) und wurde auf den 22. Dezember verlegt.
Da am nächsten Tag die graduación (Abschlussfeier) der Transición stattfinden sollte und typisch kolumbianisch noch nichts geplant war, haben wir Lehrer den Vormittag genutzt um ein Theaterstück für die Schüler und Eltern einzuüben. Ich hab natürlich prompt eine der drei Hauptrollen zugeteilt bekommen, aber da es sich eher um ein Improvisationstheater gehandelt hat und man sich nicht darauf vorbereiten konnte, war es nicht ganz so schlimm =P.
Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, die Zeugnisse der Transición fertigzustellen, da Margarita mit anderen Sachen beschäftigt war (z.B. endlich mal ihre graduación zu planen, denn irgendwie fangen die Leute hier erst an zu arbeiten, wenn es  5 vor 12 ist.
Zeugnisse schreiben ist ein ziemlicher Aufwand, da hier nämlich kaum mit dem Computer gearbeitet wird, sondern noch alle Noten und schriftliche Bewertungen von Hand geschrieben. Man darf sich also kein bisschen verschreiben, wenn man nicht das ganze Zeugnis nochmal von vorne schreiben möchte. Die Noten bestehen aus Buchstaben und Dezimalzahlen und pro Fach sind es ca. 5 Noten, die ausgerechnet und notiert werden müssen.
Als ich dann endlich mit der zweifachen Ausführung fertig war, musste ich leider feststellen, dass der Zeugnisvordruck einen ziemlich groben Fehler enthielt. Hugo hatte zwei Fächer vertauscht und so stimmten die Noten nicht mit der Erklärung des Faches übereinander, was bedeutete, dass ich die 26 Zeugnisse alle nochmal schreiben durfte =P Da kam Freude auf! (Hätte ich mal bloß den Mund gehalten, weil den anderen wäre der Fehler nämlich gar nicht aufgefallen =P)

Am Tag der graduación war der Himmel zum Glück strahlend blau und den ganzen Vormittag haben wir mit Putzen, Dekorieren und Kochen verbracht. Kurz bevor die ersten Eltern mit Kindern eingetrudelt kamen, mussten wir uns noch ziemlich herausputzen, da in Kolumbien generell sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt wird. Zum Glück habe ich eine weiße, schicke Bluse mit hierher gebracht, denn weiß ist die Farbe von Cartagena und damit nie verkehrt =). Meine weißen Ballerinas hatte ich am Abend davor noch mit Sagrotanspray entschimmelt =P und Lourdes und Alejandra waren zufrieden mit meinem Aussehen =).
Die Feier war dann wirklich sehr schön. Die Kindergarten-Kinder haben ein Lied vorgesungen, ein Mädchen aus der ersten Klasse hat die Transición mit einer auswendiggelernten Rede in der Grundschule begrüßt und ihr Bruder hat passend dazu die Abschlussrede der Transición gehalten =D. Strahlend in ihrer blau-gelben Robe mit dem viereckigen Hut (wie die College-Absolventen in den USA) hat die Transición stolz ihre Zeugnisse entgegengenommen. Mit Eistee in Plastikweingläsern wurde dann auf den Abschluss der Vorschule angestoßen und Margarita hielt ihre Abschlussrede. Auch unser Theaterstück war ein voller Erfolg und mit einem Hotdog-Essen wurde die Feier dann abgeschlossen.

Letzten Samstag und Sonntag sind Hugo und Percy & Aura abgereist. Hugo besucht in Perú seine Familie und wird Mitte Dezember wieder zurückkommen, während Percy & Aura erst für zwei Wochen in Bogota bei ihrer Familie bleiben werden und dann für unbestimmte Zeit in Peru bleiben werden. Nun sind wir nur noch vier Frauen im Colegio, aber wir nehmen es locker und lassen es uns gut gehen. Außerdem haben wir ja auch noch die Hunde, die auf uns aufpassen.
Die dürfen allerdings gerade nicht aus dem Garten raus, weil wir unter einer Ratten-Mäuse-Invasion leiden und Lourdes überall Gift verteilt hat, was auch für die Hunde gefährlich ist.
Die Mäuse fressen einfach alles an und kommen in jeden Schrank in der Küche. Jede von uns außer Larissa stand schon schreiend in der Küche, weil einem beim Öffnen eine Maus aus dem Schrank entgegengesprungen ist. In der Küche und im Büro werden außerdem die Kartons mit den Milchtüten, den Keksen und dem Bienestarina (Pulver zum Anrühren gegen Unterernährung) gelagert. Egal wie gut wir die Sachen verpackt haben, die Ratten und Mäuse fanden immer einen Weg alles anzufressen und wir mussten die Sauerei aufputzen.
Das Gift zeigt bis jetzt immer noch keine Wirkung, ganz im Gegenteil scheinen es jede Nacht mehr Tiere zu werden und auch unsere super Klebefalle hilft nichts. Bis jetzt finden sich darin nur festgeklebte Geckos =P.
Der einzige sichere Ort ist der Kühlschrank, der aber langsam echt voll mit lauter Lebensmitteln ist, die eigentlich gar nicht gekühlt werden müssen.
Gerade in diesem Moment habe ich sogar noch eine Fledermaus in der Küche herumfliegen sehen. Aaaahh irgendwie müssen wir ziemlich schnell eine Lösung finden, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen! Die Situation wird nämlich von Nacht zu Nacht immer schlimmer.

Dienstag, 22. November 2011

Langweilig wird's nie


Das letzte Wochenende war unser erstes freies Wochenende seit langem und das haben wir auch wirklich ausgenutzt.
Gleich am Freitag sind wir abends mit ein paar Freunden Billard spielen und Hamburger essen gegangen und haben bis um halb 2 nachts dann zum Abschluss des Tages noch einen Film im Bett geguckt (normalerweise fallen einem hier schon zwischen 9 und 10 Uhr die Augen zu, aber diesmal war die Vorfreude auf das Wochenende so groß, dass wir jede Minute ausnutzen mussten =)).
Am Samstagmorgen sind wir schon um 9 Uhr losgezogen ins Zentrum, um dort ein zweites Frühstück einzunehmen und ein bisschen nach besonderen Souvenirs Ausschau zu halten.
Mit Julia und den drei Bocachica-Mädels haben wir uns dann einen superleckeren Sandwich und frische, selbstgemachte Limonade gegönnt, während wir uns mal wieder ausführlich über unsere Kolumbien-Erlebnisse austauschen konnten. Danach sollte es eigentlich weiter in eine deutsche Bäckerei gehen, um einen Kuchen als Nachtisch einzunehmen (ja, Essen ist wichtig! =D). Leeeider gab es aber nicht mal dort guten Kuchen, weswegen wir uns entschieden haben, „Juan Valdez“ (so etwas wie ein kolumbianischer Starbucks) einen Besuch abzustatten und uns einen leckeren Oreo-Käsekuchen schmecken zu lassen.
Nachdem Larissa und ich den restlichen Nachmittag noch in der Stadt haben ausklingen lassen, waren wir pünktlich zum Abendessen wieder im Colegio =) und ich hab danach sogar noch im Dunkeln Wäsche gewaschen mit einer springenden, schwarzen Spinne als Zuschauerin.
Am Sonntagmorgen sind wir noch früher losgezogen, da wir viel vor hatten und Sonntage sehr schön sind in Cartagena. Kaum jemand ist auf der Straße, da die meisten Einwohner noch schlafen, man kann tolle Bilder von den wunderschönen Häuserfassaden machen und die relative Ruhe genießen. Zuerst sind wir einfach ein bisschen durch die Gassen gezogen und haben uns die Waren (hauptsächlich Schmuck) der Straßenverkäufer angeschaut und um die Preise gefeilscht. Ein Straßenverkäufer hielt uns sogar schon für Argentinierinnen :D Das haben wir dann mal als Kompliment aufgefasst, da wir sonst immer nur als „gringas“, die Bezeichnung für US-Amerikanerinnen, betitelt werden.
Da wir danach an den Strand gehen wollten und deshalb nur ein Kleid anhatten und so wenig los war, haben wir jedoch ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt und es war nicht ganz so entspannt, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Das Zentrum von Cartagena kann wirklich ein Labyrinth sein, das uns an diesem Tag öfters mal gefangen hielt. (Larissas und mein fabelhafter Orientierungssinn hat nämlich irgendwann komplett versagt und wir waren mehr als verwirrt =P) Dafür haben wir aber wunderschöne Plätze entdeckt =).
Als langsam Wolken aufzogen, wollten wir die Sonne noch am Strand genießen, doch leider gelang es uns einfach nicht einen Weg auf die anderen Seite der Stadtmauer zu finden, weshalb wir uns einfach auf die Stadtmauer gesetzt und den grandiosen Blick aufs Meer plus einen großen Schoko-Brownie genossen haben.
Nach einem kurzen, heftigen Regenschauer und einem Abstecher zu Crepes&Waffles waren wir endlich fähig, das Labyrinth zu lösen und zum ziemlich überfüllten Strand zu gelangen.
Dort angekommen mieteten wir uns eine Art Zeltüberdachung mit zwei Stühlen. Abwechselnd konnte immer eine von uns ins Meer gehen, während die andere auf unsere Rucksäcke aufpassen musste. Bis dahin war das Wochenende wunderbar verlaufen und wir haben es aus vollen Zügen genossen. Als Larissa gerade im Meer war und ich mit einer Hand auf den Rucksäcken für einen Blick die Augen geschlossen hab und gedacht habe „Heute kann ich endlich in meinen Blog schreiben, dass ich endlich einen wirklich entspannten Nachmittag am Strand hatte“, bewegt sich etwas an meiner Hand und mein Rucksack war weg mit meiner Kamera, meinem Handy und Geldbeutel mit kolumbianischen Personalausweis. Tja, Ironie des Schicksals .
Meine erste Reaktion war so laut zu schreien, wie ich konnte. Ich war so wütend und konnte einfach nicht glauben, dass jemand so böse sein kann. Dann hab ich nach Larissa geschrien, aber sie war zu weit weg, weswegen ich ihren Rucksack geschnappt hab und wie wild am Strand herumgerannt bin und die Leute angeschrien habe, ob sie etwas gesehen haben. Mittlerweile wurden immer mehr Leute auf mich aufmerksam und ich hab einfach immer weiter wütend herumgeschrien und den Mann, der unter dem Zelt neben uns saß an den Schultern gepackt und angeschrien habe, dass es ja wohl nicht sein kann, dass er nichts gemerkt habe =P Ich war einfach nur soooo unendlich wütend und entsetzt. Wegen der immer größeren Menschenmenge wurde Larissa auf mich aufmerksam und von ihrem Handy konnten wir dann auch auf meinem Handy anrufen, aber der Dieb hat es kurz später ausgeschaltet. Mehrere Männer hatten einen Mann mit meinem Rucksack wegrennen sehen, aber es waren zu viele Menschen am Strand. Ein Mann war so nett und hat die Polizei gerufen, die dann auch mit 3 Motos kam (also 6 Polizisten), denen ich die Geschichte kurz erzählt hab. Meine Idee war ja mit dem Moto, die Straße, die direkt am Strand entlang führt, in die Richtung, in die der Dieb gerannt ist, entlang zu fahren und nach ihm Ausschau zu halten. Diese Idee fanden die auch gut, bloß haben sie sich einfach nicht auf das Moto gesetzt, sondern angefangen, es zu putzen. Ich war ja sowieso schon wütend und das hat mich nur noch mehr wütend gemacht, was sie auch zu spüren bekommen haben, sodass sie schließlich doch losgefahren sind. Leider ohne mich, da nur 2 Personen mitfahren dürfen und es immer zwei Polizisten sein müssen =( Ohne zu wissen wie mein Rucksack aussieht, war die Aktion also ziemlich sinnlos.
In der Zwischenzeit wurden meine „Personalien aufgenommen“: auf einem zerknitterten Schmierzettel, den einer der Polizisten aus seiner Hosentasche herausgekramt hat. Zusätzlich zu unserer Festnetznummer wollte der eine dann noch unbedingt meine Handynummer wissen (falls mal niemand ans Festnetz geht HAHAHA). Ich hab ihn dann nur angeschnauzt, dass die Nummer ihm sehr wenig bringen wird, da mein Handy weg ist, wie ich ihm schon 5 Mal erzählt hab, wenn er mir zugehört hätte.
(Von den kolumbianischen Polizisten halte ich im Allgemeinen sehr wenig, da die mehr an Flirts interessiert sich als jeder andere und Korruption ziemlich weit verbreitet ist).
Larissas Daten wollten sie natürlich auch noch wissen und ihre Handynummer haben sie dann auch bekommen. Nachdem wir vor Ort nichts mehr tun konnten, wollte ich nur noch zurück ins colegio.
Wenigstens war einer der Polizisten so freundlich, uns ein Taxi zu suchen, das mich mitnahm, obwohl ich nur einen Bikini anhatte, da alle meine Kleider und mein Handtuch auch in meinem Rucksack waren.
Zum Glück waren Beni und meine Familie noch bei Skype online und ich konnte mich erstmal richtig ausheulen =P Mittlerweile habe ich mich aber wieder eingekriegt =) Ändern kann ich es sowieso nicht und diese Erfahrung gehört wahrscheinlich einfach zu Kolumbien dazu.
Die Polizei hat sich gestern auch mal auf Larissas Handy gemeldet, aber „einfach nur so“. Sie wüssten anscheinend, wo der Dieb wohnt, aber sie hätten ihn noch nicht zuhause angetroffen. Haha, wer’s glaubt wird selig. Die Polizei kann man hier echt in der Pfeife rauchen!

Mittwoch, 16. November 2011

Karneval

Mein erster Blogeintrag, der wieder vom colegio-eigenen Internet gesendet wird :D Da war die Freude wirklich riesengroß!!
Aaaalso dann will ich euch mal wieder auf dem Laufenden halten mit den neuesten Ereignissen in Cartagena.
Vom 4. bis zum 6. November hatten wir ein „campamento infantil“ (Kinderfreizeit) für die Schüler ab der zweiten Klasse bis zur fünften und es kamen auch einige ehemalige Schüler. Die Kinder haben das Wochenende hier im Colegio gewohnt und in den Klassenzimmern übernachtet. Es hat auf der einen Seite echt viel Spaß gemacht, aber auf der anderen Seite war es waaaahnsinnig anstrengend.
Mit der Planung haben wir am Freitag (4. November) angefangen =P Und die Vorbereitung ging dann Freitagnachmittag zwei Stunden bevor die Kinder gekommen sind los. Stress pur!
Ich war mit der Alejandra die Leiterin der einen Mädchen -Kleingruppe von 9 Mädels und war für die Technik (Mikrophone, Lautsprecher, Beamer und Laptops jeden Tag aufbauen und anschließen und alles abends wieder aufräumen) zuständig. Außerdem sollte ich den zwei jungen Frauen, welche die Lehreinheiten während des Camps gehalten, zur Seite stehen (also Snacks und Trinken zwischendurch und jegliche Materialen besorgen, die sie benötigten). Als am Sonntag unsere Küchenhilfe wegen Kopfschmerzen ausfiel, mussten Larissa und ich auch noch in der Küche einspringen. Es gab also kaum eine Verschnaufpause das ganze Wochenende über. Wenigstens „durfte“ ich nicht bei den Kindern im Klassenzimmer schlafen, wegen den Mücken und Dengue-Gefahr. Von 11 Uhr nachts bis morgens um 5 Uhr hatte ich somit meine Ruhe um Kraft für den nächsten Tag zu tanken.
Am Sonntagnachmittag um 4 Uhr als alle Kinder gegangen waren und das meiste Aufräumen erledigt war, war mein Krafttank aber sehr sehr leer =P Doch die Rettung war nahe =D Von einem Rallye-Spiel waren noch etwa 300g Weizenmehl übrig geblieben und Alejandra hatte die fabelhafte Idee deutsche Pfannkuchen daraus zu machen =D Diese haben dann auch wirklich grandios geschmeckt!

Zu unserem großen Glück war die folgende Woche schulfrei wegen dem Karneval von Cartagena. Da scheint die ganze Stadt verrückt zu werden. Die Leute sperren mit Seilen die Straße ab und verlangen Geld fürs Passieren-Lassen oder stehen mit Eimer voller dreckigem Wasser am Straßenrand und erfrischen jeden (egal ob auf dem Moto, im colectivo, im Taxi oder zu Fuß), der nicht zahlt, mit einem Schuss Wasser. San Francisco war eins der schlimmsten Viertel =P Auf Spanisch: „Es pura locura“
Im Zentrum fanden jeden Tag mehrere Umzüge statt, wo man sich gegenseitig mit Schaum aus Sprühdosen einsprüht und sich nass macht und mit Mehl bewirft. Ist eigentlich ganz witzig :)
Am Donnerstag hat uns Katherine eingeladen mit ihr zur Batalla de las Flores (einer der größten Umzüge der Stadt) zu gehen. Ihre Ratschläge waren: keine Wertsachen und Kleider, die man danach wegwerfen kann.
Ein Taxi zu Katherines Wohnung war erstaunlicherweise schnell gefunden, aber beim Aussteigen gings dann schon los. Kaum aus dem Taxi draußen, stand plötzlich ein komplett mit Motoröl schwarz angemalter Mann vor mir (samt Haaren und Hose, einfach ganz schwarz), der mir mit einem breiten Grinsen drohte, mich zu umarmen, wenn ich ihm kein Geld gebe. Meine erste Reaktion war einfach ganz schnell auf die andere Straßenseite zu rennen. Leider ohne Erfolg, denn er war schneller und all mein Bitten und Betteln hat nichts gebracht, weshalb ich ihm doch lieber seine „moneda de amor“ gegeben hab. Ich wollte nicht schon schwarz sein, bevor richtig losging =P
Beim „Batalla de las flores“ –Umzug werden die 27 Kandidatinnen für die Miss Colombia Wahl auf verschiedenen Wagen vorgeführt und von ganz unterschiedlichen traditionellen Tanz- und Musikgruppen begleitet.
Zusammen mit Katherine haben wir uns ziemlich nah am Startpunkt der Parade platziert. Obwohl wir eine Weile zu früh da waren, war schon alles voller schaumsprühender, perückentragender, wasserverwerfender Leute. Da es uns zu blöd war uns mitten ins Chaos zu stürzen, entschieden wir, das Ganze erstmal vom Rand aus anzuschauen und auf dem Boden sitzend den Umzug zu erwarten. Leider hat das nicht sehr viel gebracht, weil Larissa und ich durch unsere Größe und die hellen Haare einfach aus einer Menschenmenge dunkelhäutiger, schwarzhaariger Menschen herausstechen und somit zur Zielscheibe der Karnevalsverrückheiten wurden =P
Zu Beginn handelte es sich noch um harmloses Wasser, Schaum und Maisstärke und wir dachten, wir sähen schon schlimm aus. Dooooch es kam schlimmer! Von hinten kamen immer mehr „Farbüberfälle“. Während also von hinten die lila und blaue Farbe in meinem Gesicht verteilt wurde, wurde mir der Schaum auf die Haare, in den Nacken und in die Ohren gesprüht. Wenn man Glück hatte, schaffte man es noch, die Augen und den Mund zu schließen. Mir ist es aber nicht immer gelungen =P Meine Zähne waren irgendwann dann auch blau und die lila Farbe verteilte sich in meinem Ohr, ganz zu schweigen von meiner Kleidung. Als die kolumbianischen Schönheiten dann endlich vorbeifuhren, war nicht mehr viel von meiner Hautfarbe zu sehen. =D Wir waren wirklich ganz schön angeschmiert worden und immer noch hatte keiner Erbarmen mit uns.
Nach dem Umzug ging es dann zu einem kleinen Stadtrundgang mit Katherine und jeder Kolumbianer, dem wir begegnet sind, konnte sich ein Lachen und ein Schaumspritzer nicht verkneifen. So viel Aufsehen habe ich glaube ich noch nie erregt.
Als wir zufällig an einem Mann mit einer Spritzpistole vorbeigekommen sind, hatte Katherine die grandiose Idee, dass er doch mein Gesicht damit ein bisschen von der Farbe befreien konnte. Da die Spritzpistole anscheinend nicht den gewünschten Erfolg lieferte, wurde mir einfach kurzerhand (bevor ich widersprechen konnte) einfach ein ganzer Eimer Wasser über den Kopf gekippt. Triefend nass und immer noch voller Farbe, die jetzt noch mehr verteilt war, rief ich nun noch mehr Lachanfälle hervor. =D Ich sah wirklich so schlimm aus, dass ich selber jedes Mal in Lachen ausbrach, wenn ich mich mein Spiegelbild in einer Fensterscheibe sah.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich dann endlich die Möglichkeit mich in der Universitätstoilette zu waschen. Doch leider bewahrheitete sich meine Befürchtung: die Farbe war trotz kräftigem Schrubben nicht ganz so einfach aus meinem Gesicht zu entfernen. Das Blau ging relativ leicht weg, doch das Lila war sehr hartnäckig. Doch draußen wurde es schon langsam dunkel und so fiel ich nicht mehr so arg auf =D
Wieder zurück im Colegio bin ich sofort unter die Dusche gehüpft und hat geschrubbt und geschrubbt bis mein Gesicht ganz wund war. Zwei Tage später war mein Hals jedoch immer noch leicht lila und meine Kleider sind bis heute noch nicht wieder sauber, obwohl ich sie in Chlorbleichmittel eingeweicht habe.
Es das war‘s wert! Schließlich ist das der einzige Karneval von Cartagena, wir miterleben!
Aber ich bin auch froh, dass das ganze Chaos am Montag (14. November) mit der Miss Wahl zu Ende ging und man wieder ohne Angst auf die Straße kann und auch sauber wieder zurückkehrt =D
Die Schule hat gestern gleich mit den letzten Klausuren für dieses Schuljahr begonnen und am Freitag werde ich die erste eigens erstellte Englischklassenarbeit mit meinen Kindern aus der Transición schreiben und bin sehr gespannt, wie diese dann ausfallen wird =D

Mittwoch, 9. November 2011

Von Mäusen, Zecken und Termiten

Mittlerweile haben wir Bekanntschaft mit sämtlichen Untermietern unseres Zimmers gemacht.
Zum einen gibt es da unsere Zimmermaus, die ich an anderer Stelle schon einmal erwähnt hatte. Zu Beginn führten wir eigentlich eine ganz gute Beziehung voller gegenseitiger Toleranz und die nächtlichen Besuche störten weder mich noch Larissa sonderlich. Doch in der Zwischenzeit ist die Stimmung ein wenig umgeschlagen. Angefangen hat alles damit, als ich ein bisschen von meiner kostbaren Milka-Schokolade auf meinem Bett liegen gelassen habe und dann kurz das Zimmer verlassen musste. Bei der Rückkehr in unser Zimmer etwa eine halbe Stunde später musste ich leider feststellen, dass die Schokolade mit lauter kleinen Knabberspuren versehen war. Und los ging die Mäusejagd.
Es wurden alle Möbelstücke im Zimmer verrückt (sind zwar nur 4, aber war trotzdem viel Arbeit) und mit Bretten sämtliche Wege versperrt bis auf den Weg zur Türe. Bretter stellen für Mäuse nur leider keine Hindernisse dar, wie wir feststellen mussten =P Auf diese Weise haben wir aber wenigstens herausgefunden, auf welchem Wege die Maus immer in unser Zimmer gelangt. Nämlich durch ein Loch in einem Moskitonetz vor „Belüftungslöchern“ in der Außenwand unseres Zimmers. Mit Brettern wurde das Loch natürlich gleich abgedichtet, doch am nächsten Morgen war ein neues Loch im Moskitonetz =P War wohl nichts.
Das zweite Verbrechen der Maus war, dass sie sich in unserer Kommode häuslich eingerichtet hat, meine Kleider angefressen hat!! und überall ihre Hinterlassenschaften zu finden waren.
Eines Nachts bin ich von Tütengeraschel aufgewacht und war schon voller Panik, da sich unsere Essensvorräte in Tüten an einem Haken oben in der Wand befinden. Mit meiner Stirnlampe hab ich mich vorsichtig angeschlichen, um zum Glück herauszufinden, dass das Geraschel von der Türe her kommt, an deren Klinke unsere Mülltüte hängt. Viel Liebe hatte ich für die Maus nicht mehr übrig, aber sie zu töten habe ich auch nicht übers Herz gebracht. Deswegen wurde die Tüte einfach zugeknotet und nach draußen in den großen Mülleimer verfrachtet.
Mäuse sind aber ziemlich schlau und irgendwie hat sie es da wieder herausgeschafft, weil ich sie am Abend schon wieder im Zimmer herumflitzen gesehen hab.
Als sie dann aber eines Nachts das Nutella angeknabbert hat, das mir Mama und Papa in so kleinen Plastikbehältern geschickt haben, war wirklich Schluss mit lustig.
Nachdem eine zweite Mäusejagd erneut erfolglos verlief, musste eine Mäusefalle her! Mit einem Stück Brot sollte die Maus in die Falle gelockt werden. Doch am nächsten Morgen war das Brot verschwunden und die Falle noch gespannt. Als ich dann zufällig in die unterste Schublade unserer Kommode geschaut habe, saß da die Maus vor Schreck erstarrt (genauso wie ich, ich konnte nicht mal mehr schreien) mit den Brotkrümmeln auf meinem Handtuch.
Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, aber in den folgenden zwei Nächten gelang es der Maus, die mit Milka-Schokolade versehene Falle leerzuräumen ohne gefangen zu werden. =(  Ich hab die Falle selber mal ausprobiert und bei mir schnappte sie schon zu, als ich mit einem Blatt Papier drangestoßen bin.  Es musste also eine neue Falle her.
Im Supermarkt fanden wir einen Superkleber, der die Mäuse lebend fangen sollte. Den verteilten wir großzügig auf einem Brett und legten ein Stück Schokolade genau in die Mitte. Die erste Nacht verging ohne dass etwas geschah. Doch als ich gestern Abend in unser Zimmer kam, hörte ich ein seltsames Kratzen und nach einigem Überlegen fiel mir unsere Falle wieder ein. Und tatsächlich, auf dem Brett saß die Maus mitten im Kleber fest und versuchte mit aller Kraft wieder freizukommen. Eigentlich war sie ja nur eine kleine, süße Maus, die uns mit großen Augen anstarrte und uns packte das Mitleid. Aber dann kamen mir meine Schokolade und mein Nutella wieder in den Sinn. Die Maus musste wirklich verschwinden!
Plötzlich hatte es den Anschein, als würde die Maus langsam vom Kleber loskommen und es musste schnell gehen. Mit sehr sehr viel Überwindung nahm ich das Brett in die Hand und brachte es nach draußen, wo Larissa es übernehmen musste. Durch unser Geschrei waren mittlerweile auch Alejandra und Lourdes anwesend und teilten uns mit, dass wir die Maus töten müssen, damit sie nicht zurückkommen kann. Dazu war ich nur leider nicht fähig, aber letztendlich wurde die arme Maus im Garten mit einem großen Stock erschlagen und im Mülleimer-Friedhof begraben. Obwohl die Geschichte mit der Maus nun endlich vorbei war, war ich doch nicht ganz so erleichtert, wie ich es mir erhofft hatte.

Die Maus war jedoch nicht unsere einzige Untermieterin. Hinter Larissas Bett entdeckten wir eines Tages ein etwas seltsames Gebilde an der Wand: komische braune verzweigte Linien, die mit jedem Tag mehr und länger wurden. Lourdes Rat wurde herbeigezogen und es stellte sich heraus, dass es sich um Termiten handelte, die anscheinend fähig sind, so ziemlich alles (Möbel, Kleidung, Wände) zu zerstören. Deswegen müssen wir ab jetzt eigentlich täglich die Linien von den Wänden kratzen, um die Termiten so zu vertreiben, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das was bringt, weil ich glaube, dass die schon in der Wand drin sind. Aber Termiten sind nicht so mein Fachgebiet und wir tun wie uns geheißen. =P

In dem Sicherungskasten in der Wand und auch in allen möglichen anderen Wandlöchern haben sich einige Geckos eingenistet. Gegen Geckos habe ich (bis jetzt) noch nichts einzuwenden und von mir aus dürfen die gerne dort wohnen, denn sie machen keine Geräusche, zerstören nichts und gehen auch nicht an unser Essen! Außerdem wäre es, glaube ich, ziemlich unmöglich, gegen sie vorzugehen, weil es unzählbar viele davon gibt =P.

Es gibt aber noch eine Art Mitbewohner, gegen die ich sehr wohl etwas einzuwenden habe. Zecken finde ich nämlich richtig eklig. Unsere drei Hunde sind immer über und über mit ihnen in verschiedenen Stadien übersäht. Sogar schon die kleine Babyhündin Fiona, die von den drei noch übrig geblieben ist, ist ein Opfer der widerlichen Tierchen. Ich weiß nicht, wie die in unser Zimmer kommen, aber ich hab leider schon einige davon entdeckt und getötet.
Um unseren Essplatz vor der Küche herum lassen sich die vollgesaugten Zecken fallen und liegen dann zappelt auf dem Rücken und sehen wirklich widerlich aus. Richtig eklig wird’s dann, wenn man ausversehen auf eine Zecke drauf steht und das Blut in alle Richtungen spritzt, was schon öfters mal vorkommt. Zum Glück hatte ich hier noch keine Zecke und ich hoffe auch, dass das so bleiben wird!

Soo, außer tausenden Moskitos und vielen Spinnen fallen mir keine weiteren Untermieter mehr ein und ich bin eigentlich auch ganz froh drum =P. Mir reichen die genannten nämlich vollkommen! :)

Montag, 7. November 2011

semana cultural

Eigentlich sollte die ganze letzte Woche eine „Woche der Kulturen“ für die Kinder und Eltern im colegio stattfinden, aber da wegen dem Regen in der Woche davor zwei Tage ausgefallen sind, fand die Woche nur von Mittwoch bis Freitag statt.

Die erste Klasse und die transición waren zusammen mit Larissa und mir für Deutschland zuständig. Wir haben uns entschieden die vier Jahreszeiten und ein dazugehöriges besonderes Fest wie z.B. Ostern, Weihnachten und das Oktoberfest vorzustellen. Den ganzen Dienstagnachmittag haben Larissa und ich gebastelt, gezeichnet und unser Klassenzimmer dekoriert. Unser Hauptwerk war ein großer Baum, an dem wir die vier Jahreszeiten gezeigt haben und der ist uns auch ziemlich gut gelungen =P Die Kinder haben viele künstliche Blumen, vertrocknete Blätter und Watte mitgebracht, die dann für Frühling, Herbst und Winter verwendet wurden.
Außerdem mussten wir einen deutschen Tanz vorführen, was aber nicht ganz so einfach für uns war, weil in Deutschland nicht so getanzt wird wie hier in Kolumbien und die Leute das hier einfach nicht nachvollziehen können. Jede Region in Kolumbien hat ihren eigenen Tanz und schon die kleinsten Kinder können Tänze wie Salsa, Merengue oder Cumbia tanzen. Aber wir haben den Schneewalzer im Internetcafé herunterladen und dann einfach eine Choreografie erfunden.
Bei unserer „Tanzprobe“ in einem leeren Klassenzimmer hat uns dann ein kleiner Nachbarsjunge aus dem Kindergarten zugeschaut. Hihi Aber er fand unseren Tanz soo peinlich, dass er sich die Augen zuhalten musste und immer wieder das Zimmer verlassen musste. Zwischendurch hat er öfters den Satz „Ihr braucht Männer!“ losgelassen =D Er konnte einfach nicht mitansehen, wie zwei Frauen einen Partnertanz zusammentanzen, aber uns blieb ja nichts anderes übrig. Und als wir ihm vorgeschlagen haben, dass er dann halt mit uns tanzen muss, ist er schreiend davongelaufen =D Unsere Choreografie wurde auch wirklich nicht schlecht, auch wenn wir nur den Walzergrundschritt konnten und einfach noch ein paar Volkstanzelemente eingebaut haben=P
Nach dem Abendessen haben wir dann noch einen deutschen Kartoffelsalat für den Verkauf am Mittwoch zubereitet und der hat sogar ziemlich deutsch geschmeckt. Lieber hätten wir gebrannte Mandeln oder Plätzchen gemacht, aber leider sind Mandeln wahnsinnig teuer und wir haben keinen Ofen. Backen ging also auch nicht.
Jedenfalls war es ein sehr langer Tag und wir sind erst um halb 12 Uhr ins Bett gekommen und am nächsten Morgen ging es um 5 Uhr schon wieder weiter mit Büro putzen, Frühstück machen und dekorieren.
Margarita und Ethel kamen auf die glorreiche Idee Watte und Styropor auf dem gesamten Boden als Schnee zu verteilen, von der ich nicht sonderlich begeistert war, aber naaja. Bevor die Kinder in die Klassenzimmer kamen sah es auch echt gut aus, danach eher weniger =P
Die Präsentationen von den einzelnen Ländern waren letztendlich sehr chaotisch (aber da wir in Kolumbien hab ich auch nichts anderes erwartet =P) und trotzdem wirklich interessant.
Unser Schneewalzer war natürlich grandios! =D Und unser Kartoffelsalat ging auch ganz weg (wir hatten aber auch nur 2kg Kartoffeln verwendet)
Nachdem für den Tag alles geschafft war, waren wir dann noch zu dritt eine halbe Stunde beschäftigt, das Styropor und die Watte zusammenzufegen. Jippiieh =P

Am Donnerstag hat jede Klasse ein „Experiment“ vorgestellt, also z.B. mit Bildern gezeigt, wie aus einem Samen eine Pflanze wächst oder das Sonnensystem erklärt. Larissa und ich wollten den Cola-Mentos-Vulkan zeigen, aber leider konnten wir keine Mentos auftreiben und mit den kolumbianischen Mentos hat es leider nicht funktioniert =( Außerdem gab es eine Talenteshow, wo die Kinder vorgetanzt, gesungen und geturnt haben. Am Ende wurden noch gebastelte Kunstwerke der Kinder versteigert und alle haben eifrig ersteigert und die Preise gingen manchmal doch ziemlich in die Höhe :D Larissa und ich haben auch ein paar Zeichnungen beigesteuert :P

Der Freitag hat mit Aerobic für die Eltern begonnen und wir kamen in der einen Stunde kräftig ins Schwitzen. Vor allem, weil es hier nachts auch nicht wirklich abkühlt und es morgens immer noch knapp 30°C hat. Unserem lieben Sportlehrer Henry hat es so richtig Spaß gemacht uns Frauen bis ans Ende unserer Kräfte zu bringen. Aber ich hab die Zähne zusammengebissen und durchgehalten! =D
Zum Abschluss der semanacultural wurde ein Sancocho (eine Art Suppeneintopf mit Fleisch, Kochbananen, Yuca, Mais und Kartoffeln) für alle gekocht. Hat jetzt nicht sehr überragend geschmeckt und die Art des Servierens hat mir den Appetit wirklich verdorben. Erstens gab es nicht genug Teller und Löffel für alle und deshalb wurden die schon benutzten Plastikteller einfach ohne abzuspülen für die nächsten Portionen wiederverwendet und gegen Ende wurden auch die Kartoffeln, Bananen und Yuca knapp, weswegen in der Küche wirklich unglaublicherweise die Reste, die die Vorgänger übriggelassen haben dem Nächsten nochmal serviert. Es war so eklig, dass ich irgendwann aus der Küche rausgehen musste, weil ich das nicht mehr mitansehen konnte.
Als mir meine Suppe dann auch auf so einem Plastikteller serviert wurde, war mir schon so schlecht, dass ich kaum einen Löffel runterbekommen habe und es dann lieber ganz gelassen habe.
Die Hygieneverhältnisse in Kolumbien sind wirklich öfters eine Herausforderung. =P
Aber alles, was nicht unmittelbar zum Tod führt, härtet ab. =P